Turley

An das

Bundesverwaltungsamt – Zentralstelle für Zivilschutz -z.Hd. Herrn Turley

Frankfut/M. den 04.09.01

Schreiben v. 05.05.01 VA 4-365-00

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Brief an Nordhoff

2001

An den
Kulturdezernenten
Herrn Dr. Hans-Bernhard Nordhoff

Sehr geehrter Herr Dr. Nordhoff,
wir möchten Sie um einen baldigen Termin für ein Gespräch bitten, um einige grundsätzliche Fragen für unsere Arbeit zu klären.

Wie Sie wissen, macht die Initiative seit Jahren Erinnerungsarbeit, um das Leben der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ins Gedächtnis zu holen. Als authentischer Ort wird der auf der zerstörten Synagoge errichtete Bunker von der Initiative in diese Arbeit einbezogen. Bisher ist es nicht gelungen, dauerhaften Zugang zu diesem Ort zu bekommen.

Die Zentralstelle für Zivilschutz im Bundesverwaltungsamt in Bonn hat Juli 2001 der Initiative auf ihre jüngste Anfrage hin eine Absage erteilt, (siehe beiliegender Brief). Die Vorstellung der Zentralstelle, dass wir den Bunker für unsere Arbeit nutzen könnten, ohne dass er aus seiner Zivilschutzbindung entlassen ist, halten wir für eine Zumutung. Wir möchten Sie bitten, die notwendigen Schritte einzuleiten, dass die Zivilschutzbindung für den Bunker aufgehoben wird, damit wir die verschiedenen Vorschläge für die Nutzung des Bunkers endlich realisieren können.

Dazu gehört als weitere Voraussetzung, dass der Bunker baulich umgestaltet wird. Das Gebäude selbst kann so gut wie gar nicht benutzt werden. Die Einzelveranstaltungen der Initiative – Erzählcafe, Zeitzeugen berichten, Lesungen, Ausstellungen – haben gezeigt, dass man sich nur ganz kurz in dem Bunker aufhalten kann. Auch Exponate dürfen dem Raumklima nicht länger ausgesetzt werden. Welche Finanzierungsmöglichkeiten bestehen für bauliche Maßnahmen.

Für die geschichtliche Dokumentation muß der Ort – Synagoge/Bunker – selbst Thema sein. Die Initiative bemüht sich seit langem, die historischen Schichten des Gebäudes zu dokumentieren und hat aus dieser Beschäftigung ein Konzept entwickelt zu einer angemessenen Nutzung des Bunkers mit dem Schwerpunkt einer Ausstellung zur „Geschichte des Nationalsozialismus in Frankfurt/M“.

Um jetzt einen Anfang zu machen, könnten Ausstellungen und Dokumentationen, die zum Teil auf wissenschaftlichem oder vorwissenschaftlichem Niveau in Frankfurt/M erarbeitet wurden, im Bunker gezeigt werden.

In einem Gespräch mit Frau Krohn-Weik wurde deutlich, dass die Ausstellung „Ostend – Blick in ein jüdisches Viertel“ einen angemessenen Platz im Bunker erhalten könnte. Weit mehr, als wenn sie zu einer Wanderausstellung für Frankfurter Schulen umgestaltet würde.

Um auf entsprechende Anfragen aus der Frankfurter Lehrerschaft nach zusätzlichen Informationen und Dokumentationsmaterial eingehen zu können, wird der Bunker als Raum gebraucht. Auch, um einen Lernort außerhalb des schulischen Rahmens zu schaffen. Gleichzeitig bietet der Ort die Möglichkeit, die Erinnerungsarbeit in das heutige kulturelle Leben zu integrieren.

Wie groß das Informationsbedürfnis ist, zeigen die Ausstellungen, die in Schulen – zur Spurensuche jüdischer Schüler und Schülerinnen in Frankfurter Schulen – erarbeitet worden sind und aus Platzmangel immer wieder weggepackt werden müssen. Die Initiative könnte sie im Bunker zugänglich machen.

Um nur einige zu nennen:,

  1. „Lebensspuren – Jüdische Wöhlerschüler – Opfer des Terrors 1938-1945″ Spurensuche-AG der Wöhlerschule Frankfurt/Main. 2001
  2. „Wer war Henry Wolfskehl? Auf der Suche nach jüdischen Schülern und Lehrern am Lessing-Gymnasium 1897-1938″
  3. Ausstellung März -April 2000 im Heinrich-Gagern-Museum „Die jüdischen Schüler des Kaiser Friedrichs-Gymnasiums 1888-1933″ (Petra Bonavita)
  4. „Black Box“ Büchner Schule

Temporäre Ausstellungen im Historischen Museum „Jugend im Nationalsozialismus“, „Die Synagogen brennen“, „Walter“

Die Initiative hat sich gefreut, seit Juni nicht mehr nur auf ehrenamtlicher Basis kontinuierlich arbeiten zu können und möchte Ihnen nochmals danken, dass Sie die ABM – Stelle befürwortet haben.

Wir hoffen, bald von Ihnen zu hören.