15. November: Tsi darf es azoy zayn? – Muss es so sein? Jiddische Ghetto Tangos

Jiddische Ghetto Tangos – Teil einer künstlerischen Veranstaltungsreihe TANGO – Musik, die Menschen eine Stimme gibt und ihre Geschichten erzählt

Internationales Projektensemble „Barrio de Tango“:
Lloica Czackis (Gesang)
Agustina Taborda und Christian Gerber (Bandoneon)
Heiner Köhnen und Thu Trang Sauer (Violine)
Juliette Lopez (Piano)
Sophia Price (Kontrabass)

Der Tango entstand gegen Ende des 19. Jahrhundert in Buenos Aires und Montevideo als Ergebnis einer Verschmelzung verschiedener Kulturen. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg eroberte der Tango allerdings schon West- und Osteuropa. In Berlin wurde die Musik zum Soundtrack der Goldenen Zwanziger und fester Bestandteil der modernen Massenkultur. Insbesondere osteuropäisch-jüdische Komponisten schrieben in dieser Zeit neue Tangos.

Mit mehr als 3.000 komponierten Tangos entwickelte sich Warschau zur osteuropäischen Hauptstadt dieser Musik und in Städten mit großen jiddisch-sprachigen Gemeinden und auch im Shtetl wurden jiddische Tangos gespielt.

Im Zweiten Weltkrieg und während der Shoah war der Tango so zweifelsohne auch in Osteuropa einer der beliebtesten Gesellschaftstänze und tauchte sowohl in Ghettos als auch in Konzentrationslagern auf.

Befremdlich ist, dass Tangos und Musik eine doppelte Rolle spielten: Einerseits dienten sie den Bewohnern und Häftlingen als Ausdrucksmittel der „Hoffnung auf Freiheit“. Andererseits wurden sie von ihren Unterdrückern als Instrument der Gewalt eingesetzt und zu einem Soundtrack der grauenhaften Vernichtung, der mit Folter und Tod verbunden war.

Erleben Sie auf der Veranstaltung diese Musik und ihre Geschichten!
Erfahren und hören Sie:

  • über den Tango im Europa der Zwischenkriegszeit
  • wie die Nazis die Bandoneonvereine in Deutschland verboten
  • über die Terrorfunktion von Musik in den Lagern
  • welche Rolle das Frankfurter „Institut zur Erforschung der Judenfrage“ bei der Zerstörung jüdischer Kulturgüter gespielt hat
  • über Kunst und Musik als Form des Widerstands in den Ghettos
  • über ein zeitgenössisches Tango-Projekt aus Kanada, das von Erfahrungen von Holocaust-Überlebenden erzählt.

Erinnern an den 9. November

Vor 88 Jahren, am 9. November 1938, brannten in Deutschland die Synagogen.

Auch die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft hier in Frankfurt an der Friedberger Anlage wurde im Pogrom 1938 von den Nazis zerstört.

In der Zeit, in der in Deutschland eine faschistische Partei immer stärker wird, laden wir Sie alle am Sonntag, den 9. November um 17 Uhr ein, um der Zerstörung der Synagogen und der Ermordung der Frankfurter Juden zu gedenken.

Auf der Außenfassade zeigt der World Jewish Congress die virtuelle Rekonstruktion der Synagoge (TU Darmstadt, FB Digitales Gestalten).

Unsere Ausstellungen sind am Abend geöffnet.

27.9., 18 Uhr: Filmvorführung Winterreise

Winterreise – ein Leben in der Rückschau
Darsteller: Bruno Ganz, Regie: Anders Østergaard

In dem Film Winterreise begibt sich der amerikanische Moderator Martin Goldsmith auf die Spuren seines Vaters, um das Leben seiner jüdischen Eltern in Nazi-Deutschland sowie später in den USA zu verstehen.
Der Sohn wusste bisher nur, dass seine Eltern aus Deutschland stammten. Die Eltern hatten in Amerika ein neues Leben begonnen – ein Leben, in dem man keine Fragen über die Vergangenheit stellt. Erst als erwachsener Mann, nach dem Tod der Mutter, brach der Sohn diesen Bann.
Der Vater Günther Goldschmidt, dargestellt von Bruno Ganz in seiner letzten Rolle, war in der deutschen Stadt Oldenburg geboren und 2009 im US- Bundesstaat Arizona verstorben.

Unter den bohrenden Fragen des Sohnes erinnert sich Günther G. an die Schrecken der Vergangenheit, teils widerwillig, teils melancholisch und nachdenklich.
Nach seiner Kindheit und Jugend studiert er Flöte in Karlsruhe. Trotz großem Talent muss er als Jude die Hochschule 1935 ohne Diplom verlassen. Die Ausreise nach Schweden ist geplant, da erhält er eine Einladung des Kulturbundes Deutscher Juden. Dort lernt er im Orchester seine spätere Ehefrau Rosemarie, eine Bratschistin, kennen.
Beide nehmen die Bedrohung durch die Nazis lange nicht wahr. „Wir waren junge Musiker, wir wollten nur spielen.“ Erst im Jahr 1941 eröffnet sich dem Paar im letzten Moment die Möglichkeit, in die USA auszureisen. Eltern, Großeltern, Geschwister werden ermordet.

Ausgangspunkt des Films sind die authentischen Gespräche zwischen Vater und Sohn, das Drehbuch ist von Martin Goldsmith und Regisseur Østergaard gemeinsam erarbeitet. Dreh- und Angelpunkt bleibt Bruno Ganz in der Rolle des Vaters, dessen unwilliges Erinnern mit allem Schmerzhaften und Unangenehmen. Auch die zwiespältige Rolle des Jüdischen Kulturbundes in Deutschland – aus Zwang so umbenannt – für jüdische KünstlerInnen im nationalsozialistischen Deutschland ist thematisiert.

Filmtechnisch werden Archivaufnahmen und historische Fotografien genutzt, Standfotos montiert und kurze Szenen nachgestellt. Schwarz-weiße Szenen kontrastieren mit den Farbaufnahmen aus dem Amerika der Gegenwart. Insgesamt bleibt die Atmosphäre des Filmes dokumentarisch.

Vor der Filmvorführung wird Julia Greve Stücke von Bach spielen.

Foto von Julia Greve

Julia Greve lebt und arbeitet seit 1988 in Frankfurt am Main, wo sie bis 2014 als 2. Geigerin im Buchberger-Quartett spielte. Zuvor war sie nach Studien in Stuttgart und Utrecht Mitglied des Stuttgarter Streichquartetts und des Zürcher Kammerorchesters.
Seit 2014 arbeitet sie schwerpunktmäßig bei verschiedenen Ensembles wie der Internationalen Bach-Akademie Stuttgart, dem Musik-Podium Stuttgart und ist regelmäßig Gast beim Gürzenich-Orchester Köln sowie dem Stuttgarter Kammerorchester. Auch ist sie beteiligt bei der Gesamtaufführung sämtlicher Kantaten von Johann Sebastian Bach in Wiesbaden und Frankfurt seit 2004.

Der Eintritt ist frei. Über Spenden freuen wir uns natürlich. Bitte warme Kleidung mitbringen, der Bunker ist recht kühl.

13.9.: Tag des Offenen Denkmals

Wir nehmen teil an Deutschlands größtem Kulturevent. Über 5.000 Denkmaltüren öffnen immer am 2. Sonntag im September deutschlandweit für Sie, Ihre Freunde und die ganze Familie. Entdecken Sie sonst nicht zugängliche Orte, lassen Sie sich von historischen Handwerkstechniken begeistern oder blicken Sie Experten bei Restaurierungsmaßnahmen exklusiv über die Schulter – am 13. September beim Tag des offenen Denkmals 2026.

Über dieses Denkmal

Der Hochbunker an der Friedberger Anlage wurde 1942 auf den Grundmauern der von Nationalsozialisten zerstörten Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft gebaut. Dieser Ort ist ein besonderer: Er vereinigt in sich das Zerstörte – die zerstörte Synagoge – und das Zerstörende – den Bunker. Die Initiative 9. November erinnert an die November-Pogrome und schafft mit Ausstellungen und Veranstaltungen einen Raum zur Auseinandersetzung mit Hass, Antisemitismus, Verfolgung und Vernichtung.

Programm

Am Tag des offenen Denkmals sind unsere Ausstellungen durchgängig geöffnet. Besucher:innen können eigenständig unsere Ausstellungen besuchen oder an einer Führung teilnehmen. Es ist auch möglich, die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft, die früher an der Stelle des Hochbunkers in der Friedberger Anlage stand, mithilfe einer VR-Brille von innen zu sehen.

Führung: Die Geschichte des Orts und unsere Ausstellungen

An Stelle des Bunkers stand früher eine Synagoge, die in den Novemberpogromen von Nazis zerstört worden ist. In der Führung gehen wir auf die Geschichte des Orts ein und geben einen kurzen Überblick über unsere Ausstellungen.

Zeiten

Sonntag, 13.09.2026 11:30 Uhr

Sonntag, 13.09.2026 13:00 Uhr

Konzert mit Werken verfolgter Frankfurter jüdischer Musiker:innen am 10. Mai 2026

Dieses Konzert fand im Rahmen einer Kooperation von Goethe-Universität, HfMDK, Initiative 9. November e.V., Musica Judaica e.V. und der Frankfurter Gesellschaft für neue Musik e.V. statt. Ziel ist es, die vergessenen Frankfurter jüdischen Musiker und Musikerinnen wieder sichtbar und hörbar zu machen. Dazu wurde 2025 an der Universität ein Seminar zum Thema „Jüdische Musiker:innen in Frankfurt bis zum Nationalsozialismus“ veranstaltet. Die dort recherchierten Biografien finden Niederschlag in einer kleinen Wanderausstellung. In Konzerten erklingt die Musik des wiederentdeckten Notenmaterials.

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