8. Mai 2021: 76 Jahre Befreiung

15 Uhr Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer des NS-Regimes an der Paulskirche mit Oberbürgermeister Peter Feldmann, Lothar Reininger für den Förderverein für die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte KZ-Katzbach in den Adlerwerken und zur Zwangsarbeit in Frankfurt am Main, Stephan Wirtz für den Förderverein Roma und Frankfurter Schüler:innen, die den Aufruf des 8. Mai-Bündnisses vortragen. Moderation Alex Wagner (DGB)

16 Uhr Eröffnung der Befreiungsfeier auf dem Römerberg mit einem Grußwort des Oberbürgermeisters Peter Feldmann

16.15 Uhr Emil Mangelsdorff am Saxophone

16.30 Uhr Schulprojekt zu Jüdischen Erinnerungsorten. Schüler:innen im Gespräch mit Emil Mangelsdorff

17 Uhr Philipp Strüber am Marimbafon

17.15 Uhr Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945: Horst Schmitthenner befragt Miriam Heydorn und Thomas Altmeyer

17.45 Uhr Grußwort Esther Bejarano

18 Uhr Asyl und Rassismus: Dr. Carmen Colinas (Verband binationaler Familien und Partnerschaften) im Gespräch mit Günter Burkhardt (Pro Asyl), Saba-Nur Cheema (BS AF)

18.30 -19.15 Uhr Musik von Luna de Paita

Durch das Programm führt Barbara Englert

Aufruf:

Nach dem Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland war der Weg frei für eine antifaschistische, antimilitaristische und antimonopolistische Gesellschaft, so wie es der Wille der Anti-Hitler-Koalition vorsah. Schnell jedoch nistete sich der überwunden geglaubte Ungeist wieder in Parlamente, Justiz, Verwaltung und Geheimdienste ein. Die Verfolgung der faschistischen Verbrechen endete weitgehend, bereits Verurteilte wurden gar rehabilitiert. Mit Beginn des Kalten Krieges setzte ein brandgefährlicher Rüstungswettlauf ein. Eine friedenspolitische Wende bleibt auch drei Jahrzehnte nach Ende des Kalten Krieges in weiter Ferne. Die Befreiung der KZ-Häftlinge und das Ende der Terrorherrschaft über weite Teile Europas ist für uns ein Grund zum Feiern. Angesichts von Faschisten in Parlamenten und wieder zunehmenden rassistischen und antisemitischen
Anschlägen ist dieser Tag auch Anlass, den Kampf gegen jede Form von Diskriminierung
und Menschenverachtung zu erneuern. Für Demokratie und Abrüstung Heute brennen wieder Unterkünfte von Geflüchteten. Menschen werden wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer politischen Überzeugung ermordet. Die deutsche
Geschichte wird immer häufiger verzerrt dargestellt, die deutsche Schuld geleugnet. Faschistisches Gedankengut wird wieder ungestraft geäußert. Die ersten Anzeichen, sich mit Nazis und Rassist:innen aus Gründen des Machterhalts gemein zu machen, mussten wir Anfang letzten Jahres im thüringischen Landtag erleben. Es ist höchste Zeit, AfD und Co. aufzuhalten! Sie werden sich nicht von einer Entscheidung des „Verfassungsschutzes“ beeindrucken lassen. Noch können wir sie daran hindern, den demokratischen Aufbruch nach 1945 vergessen zu machen.


Wir fordern:

  • Faschistisches Gedankengut darf keinen Platz in unserer Gesellschaft haben, schon gar nicht in Polizei und Bundeswehr.
  • Rassismus, Diskriminierung, Antisemitismus und Antiziganismus gehören nicht zu unserem Zusammenleben.
  • Ächtung bzw. Verbot aller rechtsextremistischen Organisationen und (neo-) faschistischer Parteien.
  • Den 8. Mai endlich zum Feiertag zu machen, als Zeichen, dass wir die Lehren aus den finsteren Jahren 1933 bis 1945 verstanden haben.
  • Aktive Friedenspolitik erfordert Abrüstung statt Aufrüstung. Deutschland muss atomwaffenfrei werden und dem Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen beitreten.
  • Verbot von Rüstungsexporten. Stärkung der UNO statt völkerrechtswidriger Kriege.
  • Mehr Investitionen in Schulen und Kitas, sozialen Wohnungsbau, Krankenhäuser, kommunale Infrastruktur, Alterssicherung und ökologischen Umbau.


Unterzeichnende:

Alevitische Gemeinde Frankfurt, ANPI Frankfurt, Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen der SPD Bezirk Hessen-Süd, AStA Universität Frankfurt, Aufstehen gegen Rassismus RheinMain, Bildungsstätte Anne Frank, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Frankfurt, Children‘s Hope Home e. V., Circolo G. Di Vittorio e. V., Club Voltaire, Coordinamento Donne Italiane di Francoforte, DIDF Frankfurt, DIDF Jugend Frankfurt, DIE LINKE. im Römer, DIE LINKE. Frankfurt am Main, DGB Region Frankfurt Rhein Main, DKP Frankfurt am Main, Ettie und Peter Gingold Erinnerungsinitiative, Pfarrstelle für Gesellschaftliche Verantwortung im evangelischen Dekanat Frankfurt und Offenbach, Förderverein Roma, Frankfurter Jugendring, Friedens- und Zukunftswerkstatt e. V., Förderverein für die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte KZ-Katzbach in den Adlerwerken und zur Zwangsarbeit in Frankfurt am Main Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V./ Rhein-Main, Grüne Jugend Frankfurt am Main, IG Metall Frankfurt am Main, Initiative 9. November e. V., Jusos Frankfurt, Kurdisches Gesellschaftszentrum (NCK) Frankfurt, Leben und Arbeiten in Gallus und Griesheim e. V. (LAGG), Main-Taunus – Deine Stimme gegen Rechts, NaturFreunde Frankfurt, NaturFreunde Landesverband Hessen, Naturfreundejugend Hessen, Offenes Antifaschistisches Treffen Frankfurt, Omas gegen Rechts Gießen, Omas gegen Rechts Frankfurt, Pax Christi Rhein-Main/Regionalverband Limburg-Mainz, Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen, Schultheater-Studio Frankfurt, Seniorenarbeitskreis der IG-Metall Frankfurt, SPD Frankfurt, Städtefreundschaft Frankfurt-Kobane e. V., Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e. V., Türkisches Volkshaus Frankfurt, VVN-BdA Frankfurt, ZMD Landesverband Hessen

Ursula Trautwein: „Den Bahnhofsvorplatz nach Oskar Schindler benennen“

Ein kleiner Artikel von Bettina Behler in „Panorama, Evangelisches Frankfurt und Offenbach“ macht aufmerksam auf einen Vorschlag von Ursula Trautwein, die auf Einladung des scheidenden Ortsbeiratsvorsitzenden Oliver Strank den Mitgliedern des Ortsbeirats 1 nahelegte, den Vorplatz am Hauptbahnhof Frankfurt „Oskar-Schindler-Platz“ zu nennen. Dessen Haltung und Handeln als Retter von mehr als tausend Jüdinnen und Juden wurde Millionen Menschen in aller Welt durch den Film von Steven Spielberg „Schindlers Liste“ vor Augen geführt. Nach dem Krieg lebte Schindler in Frankfurt, zuletzt in der Kaiserstraße im Bahnhofsviertel. Nur wenige Menschen in Frankfurt kannten ihn und seine Geschichte; das Ehepaar Trautwein gehörte dazu und war seit 1964 (bis zu seinem Tod 1974) nicht nur mit ihm befreundet, sondern unterstützte ihn auch angesichts schwieriger sozialer Verhältnisse. Dieter Trautwein war Propst der Evangelischen Kirche, Ursula Trautwein SPD-Stadtverordnete. Die frühen Mitglieder unserer Initiative hatten noch das Glück, beide persönlich kennenzulernen sowie mit Dieter Trautwein auch in unserer Gruppe zusammenzuarbeiten und viel von seinen Erfahrungen zu lernen.

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WI(E)DERSPRECHEN

Im Rahmen des szenischen Seminars »Bühnenbesetzungen. Die Affäre(n) um Rainer Werner Fassbinders (RWF) Stück ‚Der Müll, die Stadt und der Tod’« an der Goethe-Universität Frankfurt entstand unter dem Mentoring des Künstlers Tucké Royale ein Audiowalk, der entlang der Stationen des Kammerspiels des Schauspiel Frankfurt, der Paulskirche, dem Börneplatz, der ehemaligen Synagoge an der Friedberger Anlage und dem 1. Polizeirevier führt. Der Audiowalk thematisiert die Bühnenbesetzung 1985 durch Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, den Streit um den Börneplatz und dessen Besetzung 1987 ebenso wie die Geschichte der ehemaligen Synagoge an der Friedberger Anlage und der heutigen Nutzung des Ortes durch die Initiative 9. November, er nimmt den Streit um den von Martin Walser geforderten Schlussstrich unter die Shoah auf und diskutiert bis in die Gegenwart führend den NSU 2.0.

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Ehrenmitglieder

Wir freuen uns die folgenden Ehrenmitglieder bei der Initiative 9. November e.V. begrüßen zu dürfen:
Fiszel Ajnwojner

Susi und Schymon Ajnwojner

Esther Alexander-Ihme

Boris Gerczikow

Ida Gerczikow

Regina Olma Wilma Rosen

Sabine Segoviano

Majer Szanckower

Anton Jakob Weinberger

Sami Weinberger
Begonnen hat unsere Zusammenarbeit 2015, als wir uns in Gesprächen und mit Hilfe von Fotos, Dokumenten und Büchern auf den Weg in die frühe Nachkriegszeit begaben. Zentraler gemeinsamer Bezugspunkt war über lange Zeit „Föhrenwald“, das größte DP-Camp in Bayern, eingerichtet von amerikanischen Verwaltern für jüdische Überlebende aus ganz Europa. Wir tauschten uns aus über Eltern, Verwandte, eine Großmutter, Menschen, die nach schwerstem Leid nur mit viel Glück überlebt und trotzdem oder gerade deshalb Familien gegründet hatten. Die Erinnerungen an diese Familienleben sowie das langsam aufblühende soziale Miteinander innerhalb einer geschützten und sich schützenden Gemeinschaft sind zentraler Inhalt der gemeinsam entwickelten Dauerausstellung „Displaced Persons – Vom DP-Lager Föhrenwald nach Frankfurt am Main“ im Hochbunker Friedberger Anlage, dem Ort der größten Synagoge Frankfurts, die hier von 1907 bis zu ihrer Zerstörung im November 1938 stand. Als die Familien 1956/57 in die Waldschmidtstraße in Frankfurt zogen, wurde das frühe Mahnmal dort zum ersten Gedenkort am 9. November. Wie die Föhrenwalder Kinder zu Frankfurterinnen und Frankfurtern wurden, erzählen weitere Tafeln und der dazu gehörige Katalog unserer Ausstellung. In Filmbeiträgen, Zeitungsberichten, öffentlichen Veranstaltungen und Führungen kommen neue Erinnerungen und Aspekte hinzu, so dass mit diesen Weiterungen und Vertiefungen immer deutlicher wird, dass dieser Weg der Erkundung, Aufklärung, des gemeinsamen Engagements für Menschenrechte ein dauerhafter geworden ist. Damit entspricht er auch unserer Überzeugung und Arbeitsweise seit vielen Jahren: anders als in Museen oder Forschungsprojekten bleiben Themen und Erkenntnisse präsent; sie verlangen einen „langen Atem“. Wir sagen von ganzem Herzen Dank für die bisherige Zusammenarbeit und hoffen auf weitere gute Jahre des Miteinander. Elisabeth Leuschner-Gafga
Iris Bergmiller-Fellmeth