Ostend

Displaced Persons

Musik als Form geistigen Widerstandes

Jüdisches Leben in Deutschland heute

Virtuelle Synagogen (in Vorbereitung)

 

 

Ostend – Blick in ein jüdisches Viertel

Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt in den Räumen der Initiative 9. November e.v. im Hochbunker Friedberger Anlage

Das Frankfurter „Ostend“ entwickelte sich östlich der Wallanlagen auf Garten- und Feldgelände. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstand hier ein Wohngebiet für Angehörige der Mittelschicht, die von Handel, Kleingewerbe und Handwerk lebten. Nach der Öffnung des Frankfurter Ghettos um 1800 war ein Großteil der jüdischen Bevölkerung bevorzugt in das Ostend gezogen. Viele Familien blieben in räumlicher Nähe zu bestehenden religiösen und sozialen Einrichtungen, koscheren Geschäften und der jüdischen Nachbarschaft. Ab 1850 entstanden auch neue Bauten der Jüdischen Gemeinde und der neu gegründeten IRG. Um 1895 war knapp die Hälfte der Ostend-Bewohner jüdisch. Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurde jüdisches Leben systematisch zerstört. Ab 1938 zwang die Stadtverwaltung in Frankfurt verbliebene oder zugezogene Juden zwangsweise in „Judenhäuser“, die zuletzt meist im Ostend lagen. Ab Oktober 1941 wurden jüdische Frauen, Männer und Kinder gewaltsam zur Großmarkthalle gebracht und von dort in die von den Nationalsozialisten errichteten Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Nur sehr wenige Menschen überlebten die Schoa.

Führungen durch die Ausstellungen werden vom Jüdischen Museum veranstaltet, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

 

Displaced Persons – Vom DP-Lager Föhrenwald nach Frankfurt am Main

Eine Ausstellung von Iris Bergmiller-Fellmeth und Elisabeth Leuschner-Gafga

Die Ausstellung nähert sich der Geschichte jüdi­scher Familien in Frankfurt in der Nachkriegszeit gewissermaßen »von unten«, ist also wesentlich aus Berichten, Familienfotos und -dokumenten der Zeitzeug*innen der zweiten Generation hervorgegan­gen. Die Ausstellung zeigt, wie neu gekommene jüdische Einwohnerinnen in der Waldschmidtstraße nicht zurückgekehrte Frankfurter, sondern Über­lebende aus dem Osten Europas waren, die nach etlichen Jahren vor allem im DP-Lager Föhrenwald, dem größten in der amerikanischen Besatzungszone, 1956/57 von bayerischen Behörden Frankfurt zugewie­sen worden waren. Keiner von ihnen hatte ursprüng­lich im Land der Täter bleiben wollen; aus gesund­heitlichen, finanziellen oder beruflichen Gründen war aber eine Auswanderung nicht ermöglicht worden. Nachdem 1951 die administrative Zuständigkeit für Föhrenwald gewechselt hatte, erlangte mit Theodor Oberländer als Staatssekretär für Flüchtlingsfragen ein Nazi der ersten Stunde und im Krieg in anti­semitische Mordaktionen involvierter Täter die poli­tische Oberhoheit über das jüdische DP-Lager. Seine Laufbahn in der jungen Bundesrepublik steht exem­plarisch für zahllose Nachkriegskarrieren gerade im Beamten- und Justizapparat.

Circa 30 Familien kamen zusammen mit ihren zum Teil in Föhrenwald geborenen Kindern in die beiden Wohnblöcke der Nassauischen Heimstätte im Frankfurter Ostend. Die Ausstellung geht den Fragen nach, wie die Kinder der Holocaustüberlebenden ihre Kindheit und Jugend erlebt haben? Wie war eine Integration möglich vor dem Hintergrund dessen, was die Eltern erlitten hatten und die Generation der Täter beharrlich beschwieg? Welche Entwicklungen halfen, dieses Schweigen zu durchbrechen und gegen härte­ste Widerstände Aufklärung zu leisten? Warum sind die Erinnerungen der Zeitzeug*innen der ersten und zweiten Generation wichtiger denn je?

 

Musik als Form geistigen Widerstandes – Jüdische Musikerinnen und Musiker 1933 – 1945. Das Beispiel Frankfurt am Main.

Eine Ausstellung von Joachim-Carlos Martini und Judith Freise

Mit umfangreichem Bild- und Textmaterial aus in- und ausländischen Archiven zeichnen Martini und Freise die Geschichte der jüdischen Musikerinnen und Musiker und ihrer In­stitutionen in Frankfurt am Main und ihrer Entrechtung in der NS-Zeit nach­. Nicht weniger werden aber auch die Versuche dokumentiert, der Verfolgung eigene Widerstandsformen entgegenzusetzen. Der erste Band um­fasst ein einzigartiges Bildmaterial mit Hunderten von Abbildungen, ergänzt um eine Fülle informativer Texte und Dokumente. Hinzu kommen zahlreiche Musikerbiografien. Der zweite Band versammelt eine große Auswahl von An­kündigungen, Artikeln, Rezensionen, Registern u.a.m., insbesondere aus dem Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt 1933-1938.

 

Ausstellung: „Jüdisches Leben in Deutschland heute“

Eine Ausstellung von Rafael Herlich

Rafael Herlich erzählt in seinen Fotografien seine eigene Geschichte und die von Jüdinnen und Juden aus ganz Deutschland. Noch bis zum 24. November kann seine aktuelle Ausstellung im Hochbunker in der Friedberger Anlage besucht werden.

Rafael Herlich lebt und arbeitet seit 44 Jahren als Fotograf in Frankfurt. In die Stadt am Main kam er, nachdem er im Alter von 18 Jahren und noch in Israel lebend einen Anruf aus Deutschland erhielt: Sein Vater, den er bis dahin nicht kannte, wollte den Sohn nach all der Zeit endlich treffen. Herlichs Vater überlebte während des Nationalsozialismus das Konzentrationslager. Der erst zwei Monate alte Halbbruder und die neue Frau des Vaters wurden ermordet. Auch die Großeltern und weitere Familienmitglieder Rafael Herlichs kamen in verschiedenen Konzentrationslagern ums Leben. Heute verarbeitet der Fotograf diese Familiengeschichte in seinen Bildern, die derzeit im Hochbunker in der Friedberger Anlage zu sehen sind.

 

Virtuelle Synagogen (in Vorbereitung)

Marc Grellert: Ausstellung „Synagogen in Deutschland – Eine virtuelle Rekonstruktion“

Gefördert durch das Bundesbildungsministerium und einzelne Städte konnten das bundesweite Projekt 1998 gestartet und in der Bundeskunsthalle in Bonn im Jahre 2000 prominent ausgestellt werden. Über 60 Studierende waren an diesem Vorhaben beteiligt. Aus dieser Ausstellung entstand mit Hilfe der Kulturstiftung der Deutschen Bank eine englischsprachige Wechselausstellung, die in Israel, USA und 2017 in Kanada gezeigt wurde. 2019 kehrte die Ausstellung nach Deutschland zurück und war von April bis Juni 2019 im Stadtmuseum Paderborn zu sehen. Nun soll sie dauerhaft ihr Domizil in Frankfurt erhalten. Als Ort hierfür ist der Bunker an der Friedberger Anlage vorgesehen. Er wird als Gedenkort durch die „Initiative 9. November“ betrieben und beherbergte in zwei Stockwerken bereits verschiedene Ausstellungen zur NS-Zeit oder jüdischer Geschichte mit Schwerpunkt auf Frankfurt. Geplant ist, das zweite Obergeschoss für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die virtuellen Synagogen dort zu präsentieren.

Kern der Ausstellung sind digitale Bilder und animierte Kamerafahrten, die die einstige Pracht der Synagogen zeigen. Gleichzeitig erinnert sie an die Umstände der Zerstörung und die Vertreibung und Ermordung der Juden in Deutschland. Eingeleitet wird die Ausstellung mit einem Überblick zur Geschichte jüdischer Sakralarchitektur vom Tempel in Jerusalem bis hin zu den Bauten im 20. Jahrhundert in Deutschland. Hierauf folgen die drei Bereiche „Wahrnehmung“, „Eskalation“ und „Rekonstruktion“.

https://www.dg.architektur.tu-darmstadt.de/forschung_ddu/digitale_rekonstruktion_ddu/synagogen/index.de.jsp