Über uns

Über uns

Die Initiative 9. November e.V. in Frankfurt am Main blickt auf eine mehr als 32- jährige Arbeit zurück. Anlass zu ihrer Gründung waren die öffentlichen Auseinandersetzungen über die Zerstörung der Überreste des spätmittelalterlichen Frankfurter Ghettos. Die damit einhergehende Besetzung des Börneplatzes bedeutete in der Nachkriegsgeschichte Frankfurts insofern einen Einschnitt, als sich hier zum ersten Mal nach der Shoah Frankfurter Juden und Nicht-Juden gemeinsam öffentlich engagierten und darüber verständigten, wie sie die Geschichte ihrer Stadt gleichzeitig trennt und verbindet.

Für einen Teil der Protestierenden wurde in der Folge der Platz der im Novemberpogrom 1938 zerstörten größten Frankfurter Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft (IRG) in der Friedberger Anlage wichtig, den die Nationalsozialisten 1942/43 von französischen Zwangsarbeitern mit einem Luftschutzbunker bebauen ließen. Die Initiative 9. November machte es sich zur Aufgabe, diesen authentischen Ort aus seinem Vergessen herauszuholen, seine vielschichtigen Bedeutungen öffentlich zu machen und vor allem an seine bedeutende jüdische Geschichte zu erinnern.

Nach Überwindung vieler Schwierigkeiten und Widerstände gelang der Initiative endlich 2003 die Nutzung des Bunkers im Inneren und sie schuf mit den im Folgenden ausführlich dargestellten Aktivitäten (Ausstellungen, Geschichte des Ortes, der IRG, Geschichte der Initiative) einen national und international anerkannten Ort des Erinnerns und Aufklärens. Bei eigenen Stichgrabungen am Bunker 2005 konnten Fundamente und Reste der Synagoge nachgewiesen werden, die in absehbarer Zeit dauerhaft freigelegt werden sollen.

Die ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder aus verschiedenen Berufen steht von Beginn an in Kooperation mit Wissenschaftlern und weiteren politisch arbeitenden Gruppen. Uns war und ist wichtig, einen offenen, nicht institutionell eingeschränkten Entwicklungsprozess an diesem Ort in bürgerschaftlichem Engagement zu befördern sowie einen Raum von besonderer Erlebnisintensität zu ermöglichen. Es kennzeichnet die von uns angestrebte Erinnerungskultur, die Geschichte einer Minderheit, der Israelitischen Religionsgesellschaft, ihrer Blüte, dann ihrer Vertreibung und Vernichtung zu erkunden und sie zugleich mit Selbsterfahrung zu verbinden.

Dies verstehen wir als Voraussetzung dafür, ein nachhaltig tätiges Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus zu befördern zu befördern und einer „Musealisierung“ oder „Verkitschung“ der Geschichte entgegenzuarbeiten. Für ihre Arbeit wurde der Initiative 9. November e.V. der 1. Preis der Bundesstiftung „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ verliehen.