Pressemitteilung: Die Synagoge Friedberger Anlage wird für die Stadtgesellschaft wieder sichtbar

Perspektive Fernrohr 3D Modell Synagoge Friedberger Anlage
(c) Technische Universitaet Darmstadt FG Digitales Gestalten

Die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft an der Friedberger Anlage, einst die größte Frankfurter Synagoge, eingeweiht am 29. August 1907, wurde durch die Naziverbrecher im Novemberpogrom 1938 in Brand gesteckt und vollständig zerstört.

In einem Festakt am 1. September 2026 am Standort der zerstörten Synagoge in der Friedberger Anlage, am Hochbunker, den die Nazis 1942 durch Zwangsarbeiter an der Stelle des Gotteshauses errichten ließen, machen wir, Initiative 9. November e.V. und das Fachgebiet Digitales Gestalten der TU Darmstadt, sie für die Stadtgesellschaft wieder sichtbar:

An der Friedberger Anlage gegenüber dem Bunker wird ein Gestell in Form eines Fernrohrs aufgestellt, das „Fernrohr in die Vergangenheit“. Wenn man hindurch schaut, sieht man nicht den Bunker, sondern die Synagoge, so wie sie aussehen würde, wenn sie nicht durch die Deutschen Faschisten zerstört worden wäre. Mit den Virtuell Reality-Brillen kann man sich auch im Inneren der Synagoge bewegen.

Die im „Fernrohr in die Vergangenheit“ und den VR-Brillen verwendete neue virtuelle Rekonstruktion der Synagoge wurde im Rahmen des Projektes „Visualisierung des Zerstörten – Synagogen im Rhein-Main-Gebiet“ vom Fachgebiet Digitales Gestalten der TU Darmstadt aktualisiert. Die Stiftung Giersch unterstützte das Projekt. Das Fernrohr in die Vergangenheit wurde von der Stiftung Citoyen, der DZ-Bank, der Hessischen Staatskanzlei, der Holger Koppe-Stiftung, dem Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main, der Naspa Stiftung und vielen Einzelspendern gefördert.

27.9., 18 Uhr: Filmvorführung Winterreise

Winterreise – ein Leben in der Rückschau
Darsteller: Bruno Ganz, Regie: Anders Østergaard

In dem Film Winterreise begibt sich der amerikanische Moderator Martin Goldsmith auf die Spuren seines Vaters, um das Leben seiner jüdischen Eltern in Nazi-Deutschland sowie später in den USA zu verstehen.
Der Sohn wusste bisher nur, dass seine Eltern aus Deutschland stammten. Die Eltern hatten in Amerika ein neues Leben begonnen – ein Leben, in dem man keine Fragen über die Vergangenheit stellt. Erst als erwachsener Mann, nach dem Tod der Mutter, brach der Sohn diesen Bann.
Der Vater Günther Goldschmidt, dargestellt von Bruno Ganz in seiner letzten Rolle, war in der deutschen Stadt Oldenburg geboren und 2009 im US- Bundesstaat Arizona verstorben.

Unter den bohrenden Fragen des Sohnes erinnert sich Günther G. an die Schrecken der Vergangenheit, teils widerwillig, teils melancholisch und nachdenklich.
Nach seiner Kindheit und Jugend studiert er Flöte in Karlsruhe. Trotz großem Talent muss er als Jude die Hochschule 1935 ohne Diplom verlassen. Die Ausreise nach Schweden ist geplant, da erhält er eine Einladung des Kulturbundes Deutscher Juden. Dort lernt er im Orchester seine spätere Ehefrau Rosemarie, eine Bratschistin, kennen.
Beide nehmen die Bedrohung durch die Nazis lange nicht wahr. „Wir waren junge Musiker, wir wollten nur spielen.“ Erst im Jahr 1941 eröffnet sich dem Paar im letzten Moment die Möglichkeit, in die USA auszureisen. Eltern, Großeltern, Geschwister werden ermordet.

Ausgangspunkt des Films sind die authentischen Gespräche zwischen Vater und Sohn, das Drehbuch ist von Martin Goldsmith und Regisseur Østergaard gemeinsam erarbeitet. Dreh- und Angelpunkt bleibt Bruno Ganz in der Rolle des Vaters, dessen unwilliges Erinnern mit allem Schmerzhaften und Unangenehmen. Auch die zwiespältige Rolle des Jüdischen Kulturbundes in Deutschland – aus Zwang so umbenannt – für jüdische KünstlerInnen im nationalsozialistischen Deutschland ist thematisiert.

Filmtechnisch werden Archivaufnahmen und historische Fotografien genutzt, Standfotos montiert und kurze Szenen nachgestellt. Schwarz-weiße Szenen kontrastieren mit den Farbaufnahmen aus dem Amerika der Gegenwart. Insgesamt bleibt die Atmosphäre des Filmes dokumentarisch.

Der Eintritt ist frei. Über Spenden freuen wir uns natürlich. Bitte warme Kleidung mitbringen, der Bunker ist recht kühl.

Konzert mit Werken verfolgter Frankfurter jüdischer Musiker:innen am 10. Mai 2026

Dieses Konzert fand im Rahmen einer Kooperation von Goethe-Universität, HfMDK, Initiative 9. November e.V., Musica Judaica e.V. und der Frankfurter Gesellschaft für neue Musik e.V. statt. Ziel ist es, die vergessenen Frankfurter jüdischen Musiker und Musikerinnen wieder sichtbar und hörbar zu machen. Dazu wurde 2025 an der Universität ein Seminar zum Thema „Jüdische Musiker:innen in Frankfurt bis zum Nationalsozialismus“ veranstaltet. Die dort recherchierten Biografien finden Niederschlag in einer kleinen Wanderausstellung. In Konzerten erklingt die Musik des wiederentdeckten Notenmaterials.

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„Das Geschehen, was dann da war, hat mich sehr ergriffen.“

Interview mit Herrn Dr. h. c. Ernst Gerhardt1 (Auszüge)

Stadtkämmerer a. D. Dr. h.c. Ernst Gerhardt an seinem 100. Geburtstag im Frankfurter Dom. Foto (c) Holger Peters

Ernst Gerhardt wurde 1921 in Frankfurt am Main-Bockenheim geboren. Er wohnte in der Großen Seestraße 3 und besuchte die Kaufunger Schule.2 Zum Zeitpunkt des Novemberpogroms von 1938 absol­vierte er eine kaufmännische Ausbildung bei der Firma Max Braun in der Idsteiner Straße 91.3 Dort machte er Karriere, obwohl er nicht in der Hitlerjugend war. Nach 1945 wurde Ernst Gerhardt hauptamt­li­ches Magistratsmitglied, Sozialdezernent und schließlich Kämmerer der Stadt Frankfurt am Main.

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Einweihung „Fernrohr in die Vergangenheit“

Am 1. September um 18 Uhr

Die Initiative 9. November und das Fachgebiet Digitales Gestalten der TU Darmstadt erinnern zukünftig mit einer Installation in der Grünanlage gegenüber dem Hochbunker in der Friedberger Anlage mit einem Film und mit Virtual-Reality-Brillen an die größte Frankfurter Synagoge, die die Nationalsozialisten 1938 / 39 zerstört hatten.

Im Rahmen des Projektes „Visualisierung des Zerstörten – Synagogen im Rhein-Main Gebiet“ aktualisierte das Fachgebiet Digitales Gestalten der TU Darmstadt mit einer Förderung der Stiftung Giersch die virtuelle Rekonstruktion der Synagoge an der Friedberger Anlage.

Am 1. September 2026 werden wir die Ergebnisse nun der Öffentlichkeit präsentieren. In einem Festakt am Standort der zerstörten Synagoge in der Friedberger Anlage, am Hochbunker, den die Nazis 1942 durch Zwangsarbeiter an der Stelle des Gotteshauses errichten ließen, wird die neue Rekonstruktion der Synagoge in drei verschiedenen Installationen gezeigt:

Die detaillierte Rekonstruktion ist zu einem Bestandteil des Films, der die Synagoge mit animierten Kamerafahrten veranschaulicht und Hintergrundinformationen vermittelt. Zum anderen wird das Gebäude räumlich eindrucksvoll über Virtual Reality-Brillen zu sehen sein. Und die Installation „Fernrohr in die Vergangenheit“ in der Friedberger Anlage – direkt gegenüber der ehemaligen Synagoge – zeigt, wie sie von dieser Stelle aussehen würde.

Die Virtual-Reality-Brillen und der Film werden danach Bestandteil der Ausstellung „Synagogen in Deutschland – Eine virtuelle Rekonstruktion“, die von der Initiative 9. November im Hochbunker an der Friedberger Anlage gezeigt wird.

Gefördert durch Stiftung Citoyen, DZ-Bank, Hessische Staatskanzlei, Holger Koppe-Stiftung, Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main und Naspa Stiftung. Wir danken den vielen Einzelspendern, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben.

Wir bitten weiterhin um Spenden: