Zur Erinnerungskultur der Initiative 9. November e.V. – eine Bilanz 2020

Nachdem es der Frankfurter Börneplatzbewegung 1987 nicht gelungen war, die Beseitigung der Fundamente der Judengasse durch die städtischen Behörden zu verhindern, fand sich am Ort Friedberger Anlage 5 -6 eine Gruppe nicht-jüdischer und jüdischer Frankfurter Bürger in der Initiative 9. November e.V. zusammen, um gemeinsam dafür zu kämpfen, dass sich Vergleichbares niemals mehr wiederholt. Der Ort war gezielt gewählt: im Novemberpogrom von 1938 war hier die größte Frankfurter Synagoge, jene der Israelitischen Religionsgesellschaft zerstört worden. In der weiteren Folge wurden die Mitglieder ihrer Gemeinde und schließlich die Juden des Viertels vertrieben und viele von ihnen ermordet. Den Platz ließen die Nazis dann von französischen Zwangsarbeitern mit einem 5-stöckigen Luftschutzbunker überbauen. Als sich die Initiative 1988 mit dem Datum der Pogromnacht in ihrem Namen gründete, war diese Geschichte in Frankfurt fast völlig vergessen.

mehr …

Vorschau Synagogenausstellung

Marc Grellert: Ausstellung „Synagogen in Deutschland – Eine virtuelle Rekonstruktion“ ist in Vorbereitung

Kern der Ausstellung sind digitale Bilder und animierte Kamerafahrten, die die einstige Pracht der Synagogen zeigen. Gleichzeitig erinnert sie an die Umstände der Zerstörung und die Vertreibung und Ermordung der Juden in Deutschland. Eingeleitet wird die Ausstellung mit einem Überblick zur Geschichte jüdischer Sakralarchitektur vom Tempel in Jerusalem bis hin zu den Bauten im 20. Jahrhundert in Deutschland. Hierauf folgen die drei Bereiche „Wahrnehmung“, „Eskalation“ und „Rekonstruktion“.

Nun soll sie dauerhaft ihr Domizil in Frankfurt erhalten. Als Ort hierfür ist der Bunker an der Friedberger Anlage vorgesehen. Er wird als Gedenkort durch die „Initiative 9. November“ betrieben und beherbergte in zwei Stockwerken bereits verschiedene Ausstellungen zur NS-Zeit oder jüdischer Geschichte mit Schwerpunkt auf Frankfurt. Geplant ist, das zweite Obergeschoss für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die virtuellen Synagogen dort zu präsentieren.

mehr …

Aufruf der Initiative

Eine Forderung nach Halle: die Fundamente der Synagoge Friedberger Anlage in Frankfurt sind endlich auszugraben und öffentlich zu zeigen. Warum?


Das Bild der etwa 20 Einschusslöcher in der Tür der Synagoge in Halle dringt nicht nur in unsere Phantasien und in unsere Sprache ein, sondern trifft körperlich. Die Schüsse sind „ins Herz“ gegangen, wie Anton Jakob Weinberger sagt. Das ist mehr als eine Metapher. Was der Täter in Halle beabsichtigte und zu einer Aktion zusammenzog – die Ermordung von Gläubigen plus Zerstörung der Synagoge – erfolgte 1938 hier am Ort der Friedberger Anlage zweischrittig. Erst ging es um die Zerstörung des Bauwerkes. Was sich zunächst gegen Steine richtete, meinte aber schon damals die körperliche Vernichtung von Menschen und zielte auf den Genozid. Noch ging es um eine Ersatzhandlung, eine Verschiebung der Vernichtungsabsicht von Mensch auf Sache. Die Zerstörungswut richtete sich auf ein sakrales Gebäude, weil es mit menschlichen Aspekten aufgeladen war, so wie auch die auf jüdischen Friedhöfen umgestürzten Grabsteine Menschen meinen und eine Schändung menschlicher Körper bedeuten.

mehr …

Juli 2019

Stellungnahme der Initiative 9. November e.V. zu der geplanten Machbarkeitsstudie bezüglich einer weiteren Ausgestaltung des Ortes der 1938 zerstörten Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft und dem darauf stehenden Kriegsbunker in Frankfurt, Friedberger Anlage 5-6

Grundsätzliche Vorbemerkungen

Die Umgestaltung des Ortes soll die Realisierung der folgenden, bisher von der Initiative 9. November e.V. verfolgten Ziele fortsetzen:
– das Monströs-Zerstörerische des Bunkers noch deutlicher als bisher sichtbar zu machen, indem seine Gestalt in der gegenwärtigen Form im wesentlichen nicht nur erhalten bleibt, sondern die Veränderungen der letzten Jahrzehnte als Teil der Geschichte des Umgangs mit diesem Tatort weiter herausgestellt werden.

mehr …