27.9., 18 Uhr: Filmvorführung Winterreise

Winterreise – ein Leben in der Rückschau
Darsteller: Bruno Ganz, Regie: Anders Østergaard

In dem Film Winterreise begibt sich der amerikanische Moderator Martin Goldsmith auf die Spuren seines Vaters, um das Leben seiner jüdischen Eltern in Nazi-Deutschland sowie später in den USA zu verstehen.
Der Sohn wusste bisher nur, dass seine Eltern aus Deutschland stammten. Die Eltern hatten in Amerika ein neues Leben begonnen – ein Leben, in dem man keine Fragen über die Vergangenheit stellt. Erst als erwachsener Mann, nach dem Tod der Mutter, brach der Sohn diesen Bann.
Der Vater Günther Goldschmidt, dargestellt von Bruno Ganz in seiner letzten Rolle, war in der deutschen Stadt Oldenburg geboren und 2009 im US- Bundesstaat Arizona verstorben.

Unter den bohrenden Fragen des Sohnes erinnert sich Günther G. an die Schrecken der Vergangenheit, teils widerwillig, teils melancholisch und nachdenklich.
Nach seiner Kindheit und Jugend studiert er Flöte in Karlsruhe. Trotz großem Talent muss er als Jude die Hochschule 1935 ohne Diplom verlassen. Die Ausreise nach Schweden ist geplant, da erhält er eine Einladung des Kulturbundes Deutscher Juden. Dort lernt er im Orchester seine spätere Ehefrau Rosemarie, eine Bratschistin, kennen.
Beide nehmen die Bedrohung durch die Nazis lange nicht wahr. „Wir waren junge Musiker, wir wollten nur spielen.“ Erst im Jahr 1941 eröffnet sich dem Paar im letzten Moment die Möglichkeit, in die USA auszureisen. Eltern, Großeltern, Geschwister werden ermordet.

Ausgangspunkt des Films sind die authentischen Gespräche zwischen Vater und Sohn, das Drehbuch ist von Martin Goldsmith und Regisseur Østergaard gemeinsam erarbeitet. Dreh- und Angelpunkt bleibt Bruno Ganz in der Rolle des Vaters, dessen unwilliges Erinnern mit allem Schmerzhaften und Unangenehmen. Auch die zwiespältige Rolle des Jüdischen Kulturbundes in Deutschland – aus Zwang so umbenannt – für jüdische KünstlerInnen im nationalsozialistischen Deutschland ist thematisiert.

Filmtechnisch werden Archivaufnahmen und historische Fotografien genutzt, Standfotos montiert und kurze Szenen nachgestellt. Schwarz-weiße Szenen kontrastieren mit den Farbaufnahmen aus dem Amerika der Gegenwart. Insgesamt bleibt die Atmosphäre des Filmes dokumentarisch.

Vor der Filmvorführung wird Julia Greve Stücke von Bach spielen.

Foto von Julia Greve

Julia Greve lebt und arbeitet seit 1988 in Frankfurt am Main, wo sie bis 2014 als 2. Geigerin im Buchberger-Quartett spielte. Zuvor war sie nach Studien in Stuttgart und Utrecht Mitglied des Stuttgarter Streichquartetts und des Zürcher Kammerorchesters.
Seit 2014 arbeitet sie schwerpunktmäßig bei verschiedenen Ensembles wie der Internationalen Bach-Akademie Stuttgart, dem Musik-Podium Stuttgart und ist regelmäßig Gast beim Gürzenich-Orchester Köln sowie dem Stuttgarter Kammerorchester. Auch ist sie beteiligt bei der Gesamtaufführung sämtlicher Kantaten von Johann Sebastian Bach in Wiesbaden und Frankfurt seit 2004.

Der Eintritt ist frei. Über Spenden freuen wir uns natürlich. Bitte warme Kleidung mitbringen, der Bunker ist recht kühl.

Stellungnahme zum Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik hat eine vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei eine Landtagswahl gewonnen. Zwar erreichte die AfD in Sachsen-Anhalt nicht die absolute Mehrheit, nach aktuellem Stand wird sie aber den Ministerpräsidenten stellen und an der Regierung beteiligt sein. Das hat weitreichende Folgen für die Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen sowie für alle engagierten Menschen vor Ort, die nicht in das Weltbild der AfD passen.

Schon im August 2026 machte die AfD mit ihrem Antrag zur Neuausrichtung der Gedenkstättenkonzeption des Bundes klar, dass sie die Erinnerungskultur, und dabei insbesondere das Gedenken an die Zeit des Nationalsozialismus und der SED-Diktatur, zu Gunsten einer Fokussierung auf einen positiven deutschen Geschichts- und Heimatbegriff umbauen möchte. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Was bisher stets als zum Teil verbale Ausrutscher einzelner Parteifunktionäre weggeredet wurde, wird mit dem Antrag nun erstmals von der Bundespartei veröffentlicht. Die AfD macht damit auf Bundesebene deutlich, was aus dem Landesverband Sachsen-Anhalt bereits bekannt ist. Sie will ein völkisches Geschichtsbild etablieren und die NS-Verbrechen durch die Einbettung in eine vermeintlich multiperspektivische Geschichtserzählung relativieren.

Diese Entwicklung ist mit Blick auf den Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt besorgniserregend. Die AfD und ihre Sympathisanten treten mit steigenden Wahlerfolgen lokal wie überregional immer lauter auf und stellen das Gedenken an die Opfer der Verbrechen des NS-Regimes zunehmend öffentlich infrage – in Parlamenten, im gesellschaftlichen Diskurs, aber eben auch in den Gedenkstätten vor Ort. In Sachsen-Anhalt schlug die Landtagsfraktion der AfD 2017 die Einrichtung einer Gedenkstätte für die Opfer der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg vor.

Mit dem Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt wird der Druck auf die Stiftung Gedenkstätten Sachsen Anhalt, die einzelnen Gedenkstätten, Demokratie- und Geschichtsvereine vor Ort sowie Erinnerungsinitiativen größer. Bereits 2017 hat die sachsen-anhaltische AfD beabsichtigt, die landeseigene Gedenkstättenstiftung aufzulösen. Es ist zu befürchten, dass dieses Vorhaben umgesetzt wird, wenn die AfD die Landesregierung stellt. Auch einen Umbau der Landeszentrale für politische Bildung hatte die Partei bereits ins Spiel gebracht. Die AfD greift damit die Grundpfeiler der historisch-politischen Bildung in Deutschland an.

Eine offene, demokratische und pluralistische Gesellschaft braucht historisch-politische Bildung, sie braucht ein umfassendes, differenziertes Geschichtsverständnis und Gedenkstätten als authentische Orte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Hessen steht fest an der Seite der Kolleg:innen in Sachsen-Anhalt. Sie unterstützt die Forderung nach einer rechtlichen Absicherung durch Bund und Länder, um die kritische und unabhängige Gedenkstättenarbeit in Sachsen-Anhalt zu schützen.

Für den Sprecher:innenrat
Thomas Altmeyer, Dr. Ann Katrin Düben, Dr. Katherine Lukat, Judith Sucher

13.9.: Tag des Offenen Denkmals

Wir nehmen teil an Deutschlands größtem Kulturevent. Über 5.000 Denkmaltüren öffnen immer am 2. Sonntag im September deutschlandweit für Sie, Ihre Freunde und die ganze Familie. Entdecken Sie sonst nicht zugängliche Orte, lassen Sie sich von historischen Handwerkstechniken begeistern oder blicken Sie Experten bei Restaurierungsmaßnahmen exklusiv über die Schulter – am 13. September beim Tag des offenen Denkmals 2026.

Über dieses Denkmal

Der Hochbunker an der Friedberger Anlage wurde 1942 auf den Grundmauern der von Nationalsozialisten zerstörten Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft gebaut. Dieser Ort ist ein besonderer: Er vereinigt in sich das Zerstörte – die zerstörte Synagoge – und das Zerstörende – den Bunker. Die Initiative 9. November erinnert an die November-Pogrome und schafft mit Ausstellungen und Veranstaltungen einen Raum zur Auseinandersetzung mit Hass, Antisemitismus, Verfolgung und Vernichtung.

Programm

Am Tag des offenen Denkmals sind unsere Ausstellungen durchgängig geöffnet. Besucher:innen können eigenständig unsere Ausstellungen besuchen oder an einer Führung teilnehmen. Es ist auch möglich, die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft, die früher an der Stelle des Hochbunkers in der Friedberger Anlage stand, mithilfe einer VR-Brille von innen zu sehen.

Führung: Die Geschichte des Orts und unsere Ausstellungen

An Stelle des Bunkers stand früher eine Synagoge, die in den Novemberpogromen von Nazis zerstört worden ist. In der Führung gehen wir auf die Geschichte des Orts ein und geben einen kurzen Überblick über unsere Ausstellungen.

Zeiten

Sonntag, 13.09.2026 11:30 Uhr

Sonntag, 13.09.2026 13:00 Uhr

Pressestimmen zum „Fernrohr in die Vergangenheit“

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG vom 3.9.: Zerstörte Synagoge: Ein Fernrohr in die Vergangenheit – Die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft im Frankfurter Ostend wurde im November 1938 zerstört – eine Installation macht sie nun mittels Virtual-Reality-Technik wieder sichtbar.
https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/frankfurt-virtuelle-rekonstruktion-zeigt-zerstoerte-synagoge-accg-201183894.html

FRANKFURTER RUNDSCHAU vom 2.9.: Auferstehung einer Synagoge: Ein intensiver Blick ins Damals – Die feierliche Eröffnung des „Fernrohrs in die Vergangenheit“ an der früheren Synagoge ist auch eine Mahnung für die Gegenwart. Weitere virtuelle Rekonstruktionen sollen folgen.
https://www.fr.de/frankfurt/auferstehung-einer-synagoge-ein-intensiver-blick-ins-damals-94472143.html

HESSENSCHAU vom 2.9.: „Fernrohr in die Vergangenheit“ Zerstörte Frankfurter Synagoge wird mit Virtual Reality wieder sichtbar – Die Nationalsozialisten brannten sie nieder, plünderten und bauten einen Bunker auf den Grundmauern: Durch ein „Fernrohr in die Vergangenheit“ wird nun die ehemals größte Frankfurter Synagoge wieder sichtbar – zumindest virtuell.
https://www.hessenschau.de/kultur/virtual-reality-tu-darmstadt-macht-zerstoerte-synagoge-in-frankfurt-wieder-sichtbar-v1,synagoge-106.html

FRANKFURTER NEUE PRESSE vom 16.7.: Im Okular wird Synagoge wieder wahr – Fernglas ermöglicht Blick in die Vergangenheit des zerstörten Gotteshauses

FRANKFURTER RUNDSCHAU vom 3.7.: Fernrohr in die Vergangenheit lässt die Synagoge auferstehen – Die Synagoge an der Friedberger Anlage soll wieder sichtbar werden – wenigstens virtuell. Ein Projekt macht es möglich und braucht noch Spenden.
https://www.fr.de/frankfurt/fernrohr-in-die-vergangenheit-laesst-die-synagoge-auferstehen-94381877.html

Pressemitteilung: Die Synagoge Friedberger Anlage wird für die Stadtgesellschaft wieder sichtbar

Perspektive Fernrohr 3D Modell Synagoge Friedberger Anlage
(c) Technische Universitaet Darmstadt FG Digitales Gestalten

Die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft an der Friedberger Anlage, einst die größte Frankfurter Synagoge, eingeweiht am 29. August 1907, wurde durch die Naziverbrecher im Novemberpogrom 1938 in Brand gesteckt und vollständig zerstört.

In einem Festakt am 1. September 2026 am Standort der zerstörten Synagoge in der Friedberger Anlage, am Hochbunker, den die Nazis 1942 durch Zwangsarbeiter an der Stelle des Gotteshauses errichten ließen, machen wir, Initiative 9. November e.V. und das Fachgebiet Digitales Gestalten der TU Darmstadt, sie für die Stadtgesellschaft wieder sichtbar:

An der Friedberger Anlage gegenüber dem Bunker wird ein Gestell in Form eines Fernrohrs aufgestellt, das „Fernrohr in die Vergangenheit“. Wenn man hindurch schaut, sieht man nicht den Bunker, sondern die Synagoge, so wie sie aussehen würde, wenn sie nicht durch die Deutschen Faschisten zerstört worden wäre. Mit den Virtuell Reality-Brillen kann man sich auch im Inneren der Synagoge bewegen.

Die im „Fernrohr in die Vergangenheit“ und den VR-Brillen verwendete neue virtuelle Rekonstruktion der Synagoge wurde im Rahmen des Projektes „Visualisierung des Zerstörten – Synagogen im Rhein-Main-Gebiet“ vom Fachgebiet Digitales Gestalten der TU Darmstadt aktualisiert. Die Stiftung Giersch unterstützte das Projekt. Das Fernrohr in die Vergangenheit wurde von der Stiftung Citoyen, der DZ-Bank, der Hessischen Staatskanzlei, der Holger Koppe-Stiftung, dem Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main, der Naspa Stiftung und vielen Einzelspendern gefördert.

Konzert mit Werken verfolgter Frankfurter jüdischer Musiker:innen am 10. Mai 2026

Dieses Konzert fand im Rahmen einer Kooperation von Goethe-Universität, HfMDK, Initiative 9. November e.V., Musica Judaica e.V. und der Frankfurter Gesellschaft für neue Musik e.V. statt. Ziel ist es, die vergessenen Frankfurter jüdischen Musiker und Musikerinnen wieder sichtbar und hörbar zu machen. Dazu wurde 2025 an der Universität ein Seminar zum Thema „Jüdische Musiker:innen in Frankfurt bis zum Nationalsozialismus“ veranstaltet. Die dort recherchierten Biografien finden Niederschlag in einer kleinen Wanderausstellung. In Konzerten erklingt die Musik des wiederentdeckten Notenmaterials.

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„Das Geschehen, was dann da war, hat mich sehr ergriffen.“

Interview mit Herrn Dr. h. c. Ernst Gerhardt1 (Auszüge)

Stadtkämmerer a. D. Dr. h.c. Ernst Gerhardt an seinem 100. Geburtstag im Frankfurter Dom. Foto (c) Holger Peters

Ernst Gerhardt wurde 1921 in Frankfurt am Main-Bockenheim geboren. Er wohnte in der Großen Seestraße 3 und besuchte die Kaufunger Schule.2 Zum Zeitpunkt des Novemberpogroms von 1938 absol­vierte er eine kaufmännische Ausbildung bei der Firma Max Braun in der Idsteiner Straße 91.3 Dort machte er Karriere, obwohl er nicht in der Hitlerjugend war. Nach 1945 wurde Ernst Gerhardt hauptamt­li­ches Magistratsmitglied, Sozialdezernent und schließlich Kämmerer der Stadt Frankfurt am Main.

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Einweihung „Fernrohr in die Vergangenheit“

Am 1. September um 18 Uhr

Die Initiative 9. November und das Fachgebiet Digitales Gestalten der TU Darmstadt erinnern zukünftig mit einer Installation in der Grünanlage gegenüber dem Hochbunker in der Friedberger Anlage mit einem Film und mit Virtual-Reality-Brillen an die größte Frankfurter Synagoge, die die Nationalsozialisten 1938 / 39 zerstört hatten.

Im Rahmen des Projektes „Visualisierung des Zerstörten – Synagogen im Rhein-Main Gebiet“ aktualisierte das Fachgebiet Digitales Gestalten der TU Darmstadt mit einer Förderung der Stiftung Giersch die virtuelle Rekonstruktion der Synagoge an der Friedberger Anlage.

Am 1. September 2026 werden wir die Ergebnisse nun der Öffentlichkeit präsentieren. In einem Festakt am Standort der zerstörten Synagoge in der Friedberger Anlage, am Hochbunker, den die Nazis 1942 durch Zwangsarbeiter an der Stelle des Gotteshauses errichten ließen, wird die neue Rekonstruktion der Synagoge in drei verschiedenen Installationen gezeigt:

Die detaillierte Rekonstruktion ist zu einem Bestandteil des Films, der die Synagoge mit animierten Kamerafahrten veranschaulicht und Hintergrundinformationen vermittelt. Zum anderen wird das Gebäude räumlich eindrucksvoll über Virtual Reality-Brillen zu sehen sein. Und die Installation „Fernrohr in die Vergangenheit“ in der Friedberger Anlage – direkt gegenüber der ehemaligen Synagoge – zeigt, wie sie von dieser Stelle aussehen würde.

Die Virtual-Reality-Brillen und der Film werden danach Bestandteil der Ausstellung „Synagogen in Deutschland – Eine virtuelle Rekonstruktion“, die von der Initiative 9. November im Hochbunker an der Friedberger Anlage gezeigt wird.

Gefördert durch Stiftung Citoyen, DZ-Bank, Hessische Staatskanzlei, Holger Koppe-Stiftung, Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main und Naspa Stiftung. Wir danken den vielen Einzelspendern, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben.

Wir bitten weiterhin um Spenden:

Spendenaufruf: Fernrohr in die Vergangenheit

Wir wollen die 1938 zerstörte Synagoge an der Friedberger Anlage in Frankfurt wieder sichtbar machen. Vor dem Hochbunker soll ein Fernrohr aufgestellt werden, durch das Besucher*Innen stereoskopische Bilder einer Rekonstruktion der Synagoge sehen.

Die Synagoge Friedberger Anlage gehört zu einer Reihe von Synagogen, die in der NS-Zeit zerstört worden sind und die am Fachgebiet Digitales Gestalten der Technischen Universität Darmstadt unter der Leitung von Marc Grellert virtuell rekonstruiert worden sind. Ziel des Projektes ist es, den kulturellen Verlust, die Schönheit der einst in Deutschland vorhandenen Synagogen-Architektur vor Augen zu führen, aber auch die frühere Bedeutung für das Stadtbild zu würdigen und in Erinnerung zu rufen. Gleichzeitig will das Projekt einen Beitrag zum Gedenken an die Shoah leisten. Mit einer Förderung der Stiftung Giersch gelang es der TU Darmstadt nun die virtuelle Rekonstruktion der Synagoge Friedberger Anlage zu realisieren. 

An den authentischen Orten der zerstörten Synagogen fehlt in der Regel eine Anschaulichkeit der ehemaligen Gotteshäuser. Um dieses Defizit zu kompensieren, wurde ein Konzept „Fernrohr in die Vergangenheit“ entwickelt, um mit virtuellen Rekonstruktionen den kulturellen Verlust aufzuzeigen. An Standpunkten innerhalb und außerhalb der Grundfläche ehemaliger Synagogen werden Installationen mit stereoskopischen Bildern einer im Computer rekonstruierten Synagoge aufgestellt. Man sieht, wie die Synagoge von dieser Stelle aussehen würde, wenn sie noch stünde. Die Installation ist von ihrer Gestalt Fernrohren nachempfunden. In einem städtischen Gefüge sorgen sie für Irritation. Diese Irritation entspricht auch der Situation vor Ort, die nicht normal ist, denn normal stünde hier ein prächtiges Gotteshaus. 

Für die Installation zur Synagoge Friedberger Anlage wurde bereits ein kleiner Platz in der gegenüberliegenden Grünanlage angelegt. Zwei Okularpaare sind vorgesehen. Eins für das Durchschauen im Stehen, ein weiteres bietet Kindern oder Personen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, die Möglichkeit die Installation zu erleben. Das Bild mit der Computer-Rekonstruktion zeigt, wie die Synagoge von hier vor ihrer Zerstörung ausgesehen hat. An der Stelle der Synagoge steht heute ein von den Nationalsozialisten errichteter Hochbunker, in dem die Initiative 9. November zu Thematiken im Kontext der NS-Zeit Ausstellungen organisiert und Veranstaltungen durchführt. Die nachfolgenden Bilder zeigen eine vergleichbare Installation in Darmstadt und den Standort in Frankfurt. Die Kosten für die Realisierung betragen rund 28.500 € und sind unten im Detail angeführt. 

Das Projekt wird aktuell unterstützt durch die Stiftung Citoyen, die DZ Bank AG, die Holger Koppe Stiftung, dem Kulturamt Frankfurt am Main und der Naspa Stiftung.

Das „Fernrohr in die Vergangenheit“ soll in einer Feier voraussichtlich am 1. September 2026 eingeweiht werden. 

16. August: Gespräch mit Peter Kalb (Zeitzeuge Frankfurter Auschwitz-Prozess) und Dieter Wesp

Dieter Wesp & Peter Kalb bei Veranstaltung in Kriftel

Das Gespräch findet begleitend zu unserer Ausstellung zum Frankfurter Auschwitz-Prozess „Ich will sprechen über die Wahrheit, die dort war“ statt.

Peter Kalb war Zeugenbetreuer im Frankfurter Ausschwitz Prozess (1963-1965). Er begleitete Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Er half ihnen während ihres Aufenthalts und unterstützte sie in der belastenden Situation des Prozesses. Seine Erfahrungen prägten ihn nachhaltig und machten ihn später selbst zu einem Zeitzeugen der Aufarbeitung.

Dieter Wesp ist Stadthistoriker und Stadtführer in Frankfurt am Main, seit 2022 ist er Vorstandsmitglied des Förderverein Fritz Bauer Institut e.V.

16. August, 15 Uhr im Hochbunker, Friedberger Anlage 5-6

Die Veranstaltung ist kostenlos, wir freuen uns über eine Spende. Bitte warme Kleidung mitbringen, der Bunker ist recht kühl. Foto: (c) Carol Wanske

Wanderausstellung: „Gegen das Vergessen: Verfolgte Frankfurter jüdische Musikerinnen und Musiker bis 1945“

Bis zum 27. September zeigen wir die Wanderausstellung. Anschließend wird sie an verschiedenen Orten in Frankfurt zu sehen sein.

„[Frankfurt am Main] war eine schöne Stadt voll intellektueller Anregung und berühmt für ihre Theater, ihre Konzerte und ihre Oper. Außerdem war sie gefüllt mit Leuten, die die Kunst voranbringen wollten. Viel wurde für moderne Musik und moderne Malerei getan. Avantgarde-Stücke wurden in den Theatern aufgeführt. Eine der außergewöhnlichsten Privatsammlungen musikalischer Handschriften und Erstausgaben war in den Händen von Paul Hirsch.“

Frida Kahn über Frankfurt um 1921, aus dem Englischen in Generation in turmoil, New York 1960, S. 112

Im Sommersemester 2025 fand an der Goethe-Universität ein Kooperations-Seminar zum Thema „Jüdische Musiker:innen in Frankfurt bis zum Nationalsozialismus“ statt. Ausgangspunkt war die Ausstellung „Musik als Form geistigen Widerstands“ von Joachim Carlos Martini im Bunker an der Friedberger Anlage 5-6. Ziel des Seminars war es, die größtenteils vergessene Musik hiesiger jüdischer Komponistinnen zum Klingen zu bringen. Hierfür wurden Biografien recherchiert und verschriftlicht sowie Noten und Tonaufnahmen ausfindig gemacht. Auf Grundlage des gefundenen Notenmaterials ist die Musik in Konzerten hörbar. Mitwirkende Personen und Initiativen Renata Berlin, Hedayet Djeddikar, Nora Eggers, Johanna Eichhorn, Jim Igor Kallenberg, Sachli Gertler, Birgit Krapohl, die Teilnehmenden des Seminars „Jüdische Musiker:innen in Frankfurt bis zum Nationalsozialismus“.

Die Wanderausstellung ist eine Kooperation von Goethe-Universität, HfMDK, Initiative 9. November e.V., Musica Judaica e.V. und der Frankfurter Gesellschaft für neue Musik e.V. statt. Ziel ist es, die vergessenen Frankfurter jüdischen Musiker:innen wieder sichtbar und hörbar zu machen.

Künftige Stationen

  • 29.09. – 02.10.2026 während der Tagung der Gesellschaft für Musikforschung
  • Voraussichtlich Mitte Oktober – Ende November in der HfMDK
  • 01.12.2026 – 15.02.2027 im Haus am Dom

20. Juni: Buchvorstellung „Erica Ludolph – Judenretterin und Widerstandskämpferin“

Petra Bonavita und Dieter Maier stellen ihr neues Buch zu Erica Ludolph in der Dondorf Druckerei vor.

Erica Ludolph rettete 1944 „mit unendlichem Herzklopfen“ und falschen Pässen die jüdische Mutter einer Freundin vor dem KZ. Ludolph war auch Kurierin zwischen französischen Kriegsgefangenen in ihrer Heimatstadt Frankfurt am Main und dem Widerstand in Frankreich.

20. Juni um 17 Uhr
Veranstaltungsort: Dondorf Druckerei (2.OG), Gabriel-Riesser-Weg 3


Eine Veranstaltung des Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 und der Initiative 9. November e.V.

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14. Juni: „Ich hab´ kein Heimatland“ Lesung mit Musik

Diana Garcia Simon liest aus ihrem Buch und erzählt über ihre Recherchen zu jüdischen Spuren im Argentinischen Tango.
Musik: Juliette Lopez, Piano, Thu Trang Sauer und Heiner Köhnen (Violine), Norbert Kotzan (Bandoneon)

Die Texte des Tangos, die an den beiden Ufern der Mündung des Río de la Plata entstanden, sind eine literarische und sprachliche Dokumentation der Migrationserfahrungen der argentinischen und uruguayischen Gesellschaft. Wir konzentrieren uns auf den künstlerischen Einfluss der Zuwanderung jüdischer Herkunft aus den osteuropäischen Ländern. Von besonderem Interesse ist die aschkenasische Einwanderung, verursacht durch die Russische Revolution, gefolgt von der Einwanderung deutscher Juden.

Jiddisch beginnt ein Teil des Tango-Wortschatzes zu werden, es vermischt sich mit anderen Randsprachen der polnischen Einwanderung und mit dem bereits existierenden Lunfardo, der Sprache des Tango und der Vororte schlechthin.

Die Themen Vertreibung, Repression und Diskriminierung in ihren Herkunftsländern sind Teil der neuen Texte. Auch das endlose Exil jüdischer Musiker, die in Argentinien blieben oder nach Europa zurückkehrten, spiegelte sich in den hierin wider.

Der Eintritt ist frei. Über Spenden freuen wir uns natürlich. Bitte warme Kleidung mitbringen, der Bunker ist recht kühl.