Dr. Ulrike Müller-Weil
Vorwort
Der vorliegende Beitrag ist ein Versuch, die Zerstörung der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft in der Friedberger Anlage während des Novemberpogroms von 1938 zu rekonstruieren. Im Fokus stehen das Handeln der Opfer und Täter sowie der historische Ort, die Synagoge und deren unmittelbare Umgebung.
Besucherinnen und Besuchern des heutigen Gedenk- und Erinnerungsorts ist die Sicht auf das einstige Areal der Synagoge weitgehend durch den im Zweiten Weltkrieg errichteten Hochbunker verbaut. Die vorliegenden Ausführungen sollen dazu beitragen, diesen Blick ein Stück weit freizulegen. Im Zentrum steht die Frage, was während des Novemberpogroms an diesem Ort passierte. Zudem werden auch die historischen Vorbedingungen skizziert.
Der Beitrag basiert auf der Auswertung von Zeitzeugenberichten, die einen authentischen Blick auf die Ereignisse werfen. Die Berichte oder Interviews erfolgten mehrheitlich mit deutlicher zeitlicher Distanz zum Novemberpogrom. Auch wenn sich das Gedächtnis täuschen kann oder späteres Wissen mit in die Erinnerung eingeflossen sein mag, stellen Augenzeugenberichte wertvolle historische Quellen dar, die der Tradierung des Erlebten dienen. Daneben werden auch Quellen herangezogen, die den jeweiligen Gegenwartszweck erfüllten. Dazu zählen etwa Zeitungsartikel, NS-Schriftgut oder die Berichte der Feuerwehr.
Das Ostend vor dem Novemberpogrom
Ab 1933 wurde das Ostend von der NSDAP systematisch unterwandert. Antisemitische Anfeindungen nahmen zu. Bereits am 31. Januar 1933 veranstaltete die NSDAP-Ortsgruppe Ostend einen Vortragsabend mit dem Kreisleiter des Kreises Groß-Frankfurt, Walter Kramer[1], um 20:30 Uhr „bei Mank Röderbergweg 122“. Die Einladung trug die Überschrift „Hammerschläge der Wahrheit für jeden Stand!“ Der Kreisleiter sprach über „Große Pläne keine Taten“. Als Unkostenbeitrag wurden 20 Pfennig bzw. 10 Pfennig für „Erwerbslose“ erhoben.[2] Wenn Kramer über Pläne sprach, die der Umsetzung bedürften, so thematisierte er im Wesentlichen die im Parteiprogramm von 1920[3] sowie in Hitlers „Mein Kampf“[4] veröffentlichten politisch-ideologischen Ziele der NSDAP, die mit der Machtübernahme realisiert werden sollten.
Als Veranstaltungsort wurde der „Röderbergfelsenkeller“ im Röderbergweg 122 gewählt. Die Gaststätte verfügte über einen großen Saal.[5] Man erwartete regen Zulauf. Durch Plakatierung, Örtlichkeit und geringen Eintritt sollte das Publikum angelockt werden.
Ebenfalls im Röderbergfelsenkeller fand am 5. Dezember 1933 ein Vortrag von Wilhelm Müller-Scheld statt. In der Ankündigung hieß es, Müller-Scheld sei von „Reichsminister Dr. Goebbels mit der Landesleitung für Volksaufklärung und Propaganda“ beauftragt worden. Man bat zu dieser „öffentliche[n] Versammlung“ um „rechtzeitiges Erscheinen“. Mit 15 Pfennig lag der Eintritt niedriger als bei dem Vortrag des Kreisleiters. „Erwerbslose“ erhielten freien Zugang. Die Ortsgruppe stellte zudem gegen einen geringen Monatsbeitrag Teilnehmerkarten für derartige „Kulturveranstaltungen“ aus.[6] Der NS-Staat finanzierte sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden, aber auch über Veranstaltungen.[7]
Die NSDAP-Ortsgruppe Sandweg, die in der Friedberger Anlage 18[8] ihren Sitz hatte, zeichnete sich durch ihre Parteiarbeit aus. Im Sommer 1934 wurde die Ortsgruppe zusammen mit fünf weiteren Frankfurter Ortsgruppen zur „Muster-Ortsgruppe“ ernannt. Damit sollten sich die übrigen 42 Ortsgruppen angespornt fühlen.[9] Die Parteistruktur auf kommunaler Ebene sollte gefestigt werden.
Am 17. Juni 1933 fand eine „Werbeveranstaltung“ der NSDAP im Zoogesellschaftshaus statt. Nach dem Einmarsch des Nachrichtensturms der SA-Standarte 81 hielt der Sturmführer eine Ansprache. Auf dem Programm standen Gesänge und Märsche. „Fackelschwingen“ und ein „Weihespiel“ sorgten für ideologisch-mystische Darbietungen. Der Zweck der Veranstaltung zu Gunsten von Erwerbslosen sowie Tanz, Tombola und Preisschießen sollten das Publikum anziehen.[10] In geselliger Atmosphäre wurde für die Ziele der Partei geworben. Der nationalsozialistische Umbau war mit „Aufbruchstimmung und Unterhaltung verbunden.“[11]
Die NS-Parteiarbeit im Ostend traf auf ein jüdisch geprägtes Viertel. Religiöse, soziale und kulturelle jüdische Einrichtungen sowie koschere Geschäfte bestimmten das Bild. Im Jahre 1925 lag der Anteil der jüdischen Bevölkerung bei 16,7%, während deren Anteil an der gesamten Stadtbevölkerung 6,3% betrug. Diese Angaben gelten im Wesentlichen bis zur Vertreibung und Deportation der Juden in der NS-Zeit.[12]
Die jüdische Bevölkerung Frankfurts wurde von den NS-Behörden nahezu komplett erfasst. Im Dezember 1934 erschien eine Broschüre ohne Verfasserangabe. Als Herausgeber wurde „Otto Fischer, Ffm-Rödelheim, Dreispitzstraße 6“ angegeben. Der Druck erfolgte in der „Frankfurter Volksblatt-Druckerei“.[13] Da das Frankfurter Volksblatt „Amtliches Organ der NSDAP für den Gau Hessen-Nassau[14]war,wird die Herkunft der Broschüre offensichtlich. Unter dem Titel „Eine Antwort auf die Greuel- und Boykotthetze der Juden im Ausland“ wurden zu diesem Zeitpunkt in Frankfurt lebenden Jüdinnen und Juden mit Adressen und Berufen aufgelistet.
Im Vorwort gaben die Verfasser an, mit dieser Bestandsaufnahme „den Beweis zu erbringen, wieviel Angehörige dieser Rasse auch heute noch im nationalsozialistischen Deutschland bei bester Gesundheit ihren Geschäften nachgehen können.“ Der Vorwurf vom ´Terror gegen die Juden´ solle entkräftet werden. Das Vorwort endete mit der antisemitischen Parole „´Wer vom Juden frißt, stirbt daran´“.[15] Jede Seite dieser Broschüre enthielt am unteren Rand die Aufforderung „Vergiß nicht das Vorwort zu lesen!“
Bereits im März 1935 erschien eine zweite Auflage. Den Herausgeber hätten zahlreiche Hinweise aus der Stadtbevölkerung auf fehlende oder fälschlich aufgeführte Namen erreicht. Die Leserschaft wurde aufgefordert, weitere Korrekturen mitzuteilen.[16]
Die Verteilung der Broschüre an Privathaushalte ging über einen internen behördlichen Verwendungszweck hinaus. Die Stadtbevölkerung wurde Teil der antisemitischen NS-Politik, die die jüdische Bevölkerung akribisch erfasste und öffentlich stigmatisierte. Es entstand ein Instrumentarium, mit dem Diskriminierung und antisemitische Übergriffe effektiver umgesetzt werden konnten. Viele der hier erwähnten Jüdinnen und Juden wurden in der NSDAP-Broschüre aufgeführt. Zudem finden sich zahlreiche Verzeichnete in der Deportationsliste der Frankfurter Jüdischen Gemeinde wieder.[17]
NSDAP-Broschüre

Parallel zur wachsenden Akzeptanz der NSDAP in der Bevölkerung nahmen die antijüdischen Anfeindungen seit 1933 zu. Die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung aus dem gewohnten Alltag zeigte sich auch im Ostend. Noch bevor staatliche Regelungen griffen, wurden jüdische Schülerinnen und Schüler zum Verlassen öffentlicher Schulen genötigt. Im Jahr 1933 bestand der letzte jüdische Schüler das Abitur am Kaiser-Friedrichs-Gymnasium, heute Heinrich-von-Gagern-Gymnasium.[18]
Bot der Besuch einer jüdischen Schule einen gewissen Schutzraum, bedeutete der Weg dorthin „eine tägliche Qual“. So beschrieb G. M., Schülerin der Samson-Raphael-Hirsch-Schule, ihre damalige Situation. Jüdische Schülerinnen und Schüler seien auf dem Schulweg beschimpft und verfolgt worden.[19] A. Dzialoszynski berichtete, dass er häufig in der Friedberger Anlage Überfälle und Schläge habe erdulden müssen.[20]
Antisemitische Anfeindungen gingen nicht zuletzt von Schülern des benachbarten Kaiser-Friedrichs-Gymnasiums aus.[21] Der Schulweg wurde zum „Spießrutenlaufen“.[22] Dass „Nichtjuden“ „irgendetwas machen“ könnten, war bekannt, sodass Max Mayer, der in der Hölderlinstraße 10 wohnte, bereits vor 1938 nicht mehr auf die Straße gelassen wurde. Da er aber zur Schule gehen musste, sei er Auseinandersetzungen mit den Schülern des Kaiser-Friedrichs-Gymnasiums ausgewichen, indem er die Hanauer Landstraße genommen habe.[23] Yehuda Ariel habe sich die antisemitischen Provokationen seitens der Gymnasiasten nicht gefallen lassen und sich mit diesen Tätlichkeiten mit dem Ranzen geliefert.[24]
Das Verhalten von Schülern des Kaiser-Friedrichs-Gymnasiums belegt die Übernahme des nationalsozialistischen Gedankenguts durch die junge Generation. Schulleiter Dr. Heinrich Weinstock, Mitglied des NS-Lehrerbundes,[25] vollzog bis 1938 den „nationalsozialistische[n] Umbruch“. In einer Schulchronik erwähnte er folgende Neuerungen: „Beamtengesetz, Schülerauslese, Staatsjugendtag, Reformen in Unterricht […] und Erziehung“. Die Wochenstunden der „Leibesübungen“ sowie in den Fächern Geschichte und Erdkunde wurden erhöht. Ferner nahm man das Fach Biologie aus den Naturwissenschaften heraus. Neben Latein und Griechisch stand jetzt auch Englisch auf dem Lehrplan des humanistischen Gymnasiums. Weinstock fasste zusammen, das Kaiser-Friedrichs-Gymnasium gehe „in die durch die nationalsozialistische Erneuerung von Volk und Staat bestimmte Zukunft“.[26]
Die antijüdische NS-Politik gewissermaßen konterkarierend, findet sich in den Magistratsakten das folgende Schreiben eines Bürgers an den NS-Oberbürgermeister Dr. Krebs:
Frankfurt am Main den 29/5/1938
„Herrn Dr[.] Fritz Krebs Hier
Die Frankfurter Sehenswürdigkeiten mehr[en] sich täglich.
Die neuste Schöpfung, die unter polz. [polizeilicher] Aufsicht entstand, ist in
der [ä]usseren Ausgestaltung der Synagoge Friedbergeranlage 6 entstanden [.]
Dieselbe wird täglich au[f] den Rundfahrten der ausländ[ischen] Gäste
photographiert & als Andenken von Frankfurt mit in die Heimat
genommen. A[usl]änd[ische] illustr[i]er[t]e B[lä]tter brachten sie schon in Wort & Bild [.]
Frankfurt ragt vor allen andern Grosstädten in Ausschmückung
der Häuser als KULTURD[S]TADT hervor. Sie können[ ]stolz darauf sein[.]Heil Hit[t]ler
[F]ranz Müller“[27]
Der Verfasser wandte sich an den Oberbürgermeister, um seine Eindrücke von der geschmückten Synagoge begeistert zu schildern. Von der Einweihung im Jahre 1907 an[28] bis zum Jahr der Zerstörung faszinierte die Synagoge die Betrachtenden.
Im Verlauf des Jahres 1938 hatte sich die antisemitische Politik des NS-Staates weiter verschärft. Wenige Tage vor dem Novemberpogrom wurden Ende Oktober 1938 17.000 Jüdinnen und Juden, die aus Polen eingewandert waren, ausgewiesen und an die polnische Grenze abgeschoben. Diese sogenannte „Polen-Aktion“ war auch im jüdisch geprägten Ostend spürbar.
Esther Clifford berichtete von ihrer Abschiebung am 28. Oktober 1938. Am frühen Morgen sei die Familie von SS-Männern aufgefordert worden, die Wohnung in der Hanauer Landstraße 84 sofort zu verlassen. Die Familie sei auf einem Lastwagen, der im Viertel noch weitere Personen abholte, zu einem überfüllten Gefängnissammelplatz und anschließend zum Hauptbahnhof gefahren worden.[29] Antijüdische Anfeindungen, Massenausweisung sowie wenig später das Novemberpogrom geschahen in aller Öffentlichkeit. Opfer und Täter wohnten im Viertel in unmittelbarer Nähe.[30] Brandschatzung, Zerstörung, Plünderungen, Verhaftungen und Gewalttätigkeiten passierten direkt vor der Haustür.
„Kinder, steht alle auf, die zünden die Synagoge an!“
7. bis 9. November 1938
In diesem zentralen Abschnitt wird die Zerstörung der Synagoge im Wesentlichen chronologisch dargestellt. Dies dient dazu, die Ereignisse, die aus verschiedenen Perspektiven überliefert wurden, zu ordnen.
Am Montag, dem 7. November 1938, wurde der deutsche Gesandtschaftsrat in Paris, Ernst vom Rath, von dem siebzehnjährigen polnischen Juden Herschel Grynszpan angeschossen. Mit dem Attentat wollte dieser gegen die Zwangsdeportationen im Rahmen der „Polen-Aktion“ protestieren. Grynspans Eltern wurden Opfer dieser Massenausweisung.[31]
Etwa zeitgleich liefen die Vorbereitungen zu den jährlich am 9. November stattfindenden Gedenkfeiern anlässlich des gescheiterten Hitlerputsches von 1923. Am Dienstag, dem 8. November 1938, erschien dazu ein Artikel im Frankfurter General-Anzeiger. Darin hieß es, dass die „Ortsgruppen der NSDAP“ „in besonderen Veranstaltungen der Toten der Bewegung“ gedenken würden. Etwa 40 Veranstaltungen wurden nach Ortsgruppen alphabetisch aufgeführt. Versammlungsorte waren etwa Gaststätten, Turnhallen, Vereinshäuser oder Säle. Man traf sich am Mittwoch, dem 9. November 1938, um 20:00 Uhr oder 20:30 Uhr. Die Bevölkerung werde „geschlossen“ an der „Veranstaltung der zuständigen Ortsgruppe der NSDAP“ teilnehmen.[32]
Am Spätnachmittag des 9. November 1938 erlag Ernst vom Rath seinen Verletzungen. Hitler erhielt diese Nachricht während eines Essens bei der Gedenkfeier der NS-Führung in München. Nach einer Unterredung mit Joseph Goebbels verließ Hitler die Veranstaltung. Goebbels teilte den Anwesenden die Todesnachricht mit und löste das Pogrom aus.[33] Als Vorwand für die gewalttätigen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung diente der Tod des Diplomaten.[34]
Am Abend des 9. November 1938 waren Täter und Helfer greifbar. Goebbels´ Aufruf zum Pogrom ließ sich unmittelbar und zeitnah umsetzen. Denn die NSDAP-Ortsgruppen, die an diesem Abend zu „Feierstunden“ des Gedenkens zusammengekommen waren, standen zur Verfügung. Um 20:00 Uhr hatte sich die Ortsgruppe Ostend im Zoogesellschaftshaus und die Ortsgruppe Sandweg im Keglersporthaus getroffen.[35]
Keglersporthaus

Das Keglersporthaus in der Wingertstraße 29 verfügte über Kegelbahnen, ein Restaurant, einen Saal sowie Sitzungs- und Vereinszimmer. Die Räumlichkeiten wurden zu verschiedenen Zwecken vermietet. Die katholische Kirchengemeinde feierte dort etwa Fastnacht.[36] Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört.
Seit dem Attentat kursierten Warnungen unter der jüdischen Bevölkerung. Augenzeugin Alice Oppenheimer wurde am späten Abend des 9. November 1938, etwa gegen 21:30 Uhr, von ihrem christlichen Hausmeister durch Klopfen an der Wohnungstür gewarnt und zur sofortigen Ausreise aufgefordert.[37]
Gegen 22:30 Uhr endete die Gedenkfeier der NS-Führung in München. Bis Mitternacht wurden Gauleitungen, SA- und NSKK-Geschäftsstellen sowie die Hitlerjugend mobilisiert. Die Ausführung der Gewalttätigkeiten lag in erster Linie in den Händen von SA und HJ. SS, Gestapo und Polizei erfuhren erst gegen Mitternacht von dem beabsichtigten Pogrom, als die Mobilisierung bereits lief. Hitler ordnete an, dass sich die SS heraushalten und die Gestapo für den Schutz der Juden und deren Eigentum sorgen solle. Diese Aufgabe wurde jedoch unzureichend erledigt. SS, Gestapo und Polizei zeichneten sich zudem für die parallel laufenden Verhaftungen jüdischer Bürger verantwortlich.[38]
10. November 1938
Der Morgen
Seit Mitternacht lief die Mobilisierung von SA, NSKK, HJ, Polizei und Feuerwehr in Frankfurt.[39] Am Donnerstag, dem 10. November 1938, versammelten sich ab 3:00 Uhr SA-Leute, HJ- und Parteimitglieder in ihren Ortsteilen. Auf Lastwagen wurden Benzinkanister zu den Synagogen transportiert. Gruppen aus SA und HJ erreichten auch die Synagoge im Ostend.[40]
Die Zerstörung der Synagoge in der Friedberger Anlage begann am frühen Morgen des 10. November 1938 gegen 4:30 Uhr. Christine Herrmann geb. Hau, die damals fünfzehnjährige Tochter des christlichen Synagogenverwalters Justin Hau, erlebte den Beginn des Pogroms unmittelbar vor Ort. Familie Hau wohnte im zweiten Stock des rechten Flügelbaus der Synagoge. Herr Hau weckte seine Familie bereits um 4:30 Uhr. Frau Hermann zitierte ihren Vater mit der Aufforderung: „´Kinder, steht alle auf, die zünden die Synagoge an!`“.[41] Herr Hau habe die Synagoge aufschließen müssen, nachdem er von etwa 15 bis 20 stark betrunkenen Personen, die teilweise SS-Uniformen und braune SA-Uniformen getragen hätten, unter Gewaltandrohung dazu gezwungen worden sei.[42] Daraufhin hätten die Täter alles mit Benzin übergossen und angezündet. Familie Hau habe überstürzt die Wohnung verlassen müssen. Nur kleinere Habseligkeiten seien gerettet worden.[43]
Die hier beschriebenen Täter hatten offensichtlich an den Gedenkfeiern der Ortsgruppen Ostend oder Sandweg am Vorabend teilgenommen, wurden dort um Mitternacht über den Aufruf zum Pogrom unterrichtet und verübten die Gewalttätigkeiten noch alkoholisiert am frühen Morgen des 10. November. Einige Täter trugen weiterhin ihre Uniform, während andere bereits ihre Zivilkleidung angezogen hatten. Denn das Pogrom sollte, nach Parteiversion, spontan von der Bevölkerung und nicht von den NS-Organisationen ausgehen.[44]
Am frühen Morgen gelang es Herrn Hau offenbar, wertvolle Kultgegenstände aus der Synagoge zu bergen. Inge Heß, die damals im Sandweg 29 wohnte, erinnerte sich daran, dass im Sandweg 31 jemand wohnte, der Küster in der Synagoge und Christ gewesen sei. Er habe in der Pogromnacht Thora und Menorah gerettet.[45] Diese Beschreibung passt auf Herrn Hau. Max Mayer bestätigte, dass der Synagogendiener, ein „sehr anständiger Nichtjude“, „einiges gerettet“ habe. Aber darüber dürfe man nicht sprechen.[46] Die Rettung der Kultgegenstände sollte geheim bleiben, sodass selbst die Tochter, Christine Herrmann, nicht eingeweiht war.
Da die Brandschatzungen geplant waren, brachte sich die Feuerwehr bereits vor Ausbruch des Feuers in Stellung. Diese frühzeitige Präsenz fand aber in den Berichten der Feuerwehr keinerlei Erwähnung. Walter Rost bemerkte, dass Feuerwehrwagen bereits an der Synagoge vorgefahren seien, als noch gar nichts los gewesen sei.[47] Dies dürfte vor 5:00 Uhr gewesen sein. Denn danach machte sich die Feuerwehr lautstark bemerkbar. Familie Oppenheimer hörte ab 5:00 Uhr „dauernd Feuerwehren fahren“.[48] Das Läuten der Feuerwehr weckte die Anwohner aus dem Schlaf.[49] Den Augenzeugen fiel zudem die Langsamkeit der Feuerwehr auf.[50] In der Nähe des Uhrtürmchens beobachteten Dr. Oppenheimer und sein Sohn Walter Jacob, dass die Feuerwehr zwar „kräftig bimmelnd“, aber „ganz gemütlich“ gefahren sei. Man habe zunächst den Eindruck gehabt, dass es nicht so gefährlich sein könne. Doch dann erkannten beide, dass ganz heller Rauch aus der Synagoge kam und die Feuerwehr davor stand.[51]
Mit Beginn der NS-Diktatur wurde die Feuerwehr in „Feuerlöschpolizei“ umbenannt. Laut Dienstordnung unterstand sie „dem Oberbürgermeister als Ortspolizeibehörde“ und war „verwaltungsmässig dem Bauamt zugeteilt.“[52] Diese Begriffe findet man auch auf den Behördenstempeln der vorliegenden Feuerberichte. Alle Einsätze bezüglich der Synagoge Friedberger Anlage wurden von der Feuerwache II übernommen, die sich in der Burgstraße 11c befand.
Feuerwache II

Vor dem Ausgreifen der Flammen wurde das Feuer unterbrochen. Christine Herrmann erinnerte sich, dass die Täter „vielleicht nach ein paar Stunden“ das Feuer wieder „ausgemacht“ hätten. Sie begründete dies damit, dass ihre Familie sowie die Familie des Synagogenvorstehers Ginsberger ihre Wohnungen im Seitenflügel der Synagoge noch hätten ausräumen und verlassen müssen.[53] Auch die beabsichtigte Plünderung war ausschlaggebend. Mit Beginn des Brandes wurde der Rabbiner Josef Jona Horovitz an die brennende Synagoge gebracht. Unter Androhung, ihn zu erschießen, habe der Rabbiner den Tätern verraten müssen, wo die Schätze versteckt seien.[54]
Obersynagogendiener David Ginsberger wurde ebenfalls gezwungen, die Wertgegenstände preiszugeben. Dazu drangen „einige Nazis“ in dessen Wohnung im ersten Stock des rechten Flügelbaus ein. Herr Ginsberger habe den Tresorschlüssel herausgeben müssen. Yehuda Ariel erläuterte, dass unter der Synagoge ein großer Tresor, eine „Silberkammer“, gewesen sei. Die Täter räumten den Tresor vollständig aus. Dieser Raub sei gezielt geplant gewesen. Dass hier Schätze aus Silber, Gold, Edelsteinen oder Brokat zu finden waren, sei bekannt gewesen. Die Beute sei auf Lastwagen abtransportiert worden.[55]
Rabbiner Josef Jona Horovitz (1892-1970)

Obersynagogendiener David Ginsberger (1862-1944)

Augenzeuge an diesem Morgen wurde Benjamin Hirsch. Der damals Sechsjährige stand mit seinem vierzehn Jahre alten Cousin Arno Horenczyk vor der Synagoge und erinnerte sich an das Geschehen.
„Verwirrt und mit äußerster Bestürzung beobachteten wir wie Rowdies, manche in HJ-Uniform, in die Synagoge hinein und aus der Synagoge heraus rannten. Hinein rannten sie mit Brandsätzen, die Molotow-Cocktails ähnelten, mit denen sie versuchten, das Gebäude in Brand zu setzen, heraus brachten sie die silbernen Schmuckgegenstände der Synagoge, darunter die Toraschilde und die Torakronen. Schließlich trugen sie einige der Torarollen heraus, rollten sie ab und hängten sie zwischen den zwei Torbögen am gusseisernen Zaun auf, der den Vorhof der Synagoge umgab. Sie spießten das Pergament der heiligen Schriftrollen auf die Spitzen des Zauns und brachen in ein Triumphgeheul aus, als sie ihr Werk vollendet hatten.“[56]
Benjamin Hirsch und sein Cousin seien entsetzt gewesen und hätten beschlossen, möglichst unauffällig nach Hause zu gehen. Erleichtert erreichten sie ihre Wohnungen in der Grünen Straße.[57] Noch in der Nacht zum 10. November 1938 hatte SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich in einem dringlichen Fernschreiben die Polizei angewiesen, darauf zu achten, dass jüdische Geschäfte und Wohnungen nur zerstört, nicht aber geplündert werden. Plünderer sollten festgenommen werden. Die „stattfindenden Demonstrationen“ seien von der Polizei nicht zu verhindern, sondern nur zu überwachen.[58] Die Frankfurter Polizei schützte jüdische Bürgerinnen und Bürger sowie jüdisches Eigentum keineswegs.[59] Benjamin Hirsch bestätigte, dass die anwesende Polizei nicht eingegriffen habe, als die Täter Brandsätze gelegt und wertvolle Gegenstände aus der Synagoge entwendet hätten. Die Polizei habe die „Rowdies“ bei der Zerstörung geschützt.[60]
Am Morgen des 10. November 1938 etwa gegen 6:00 Uhr wurde der Brand nach außen hin sichtbar. Max Mayer erlebte das Pogrom als Zwölfjähriger. Damals wohnte er mit seiner Familie in der Hölderlinstraße 10 in einem „schönen vierstöckigen Haus“.[61] Gegenüber habe sich eine wesentlich niedrigere „Holzhandlung“ befunden, über die das Dach der brennenden Synagoge zu erkennen gewesen sei. Vom Erker des Hauses mit Blick nach Westen habe man eine „Brandkuppe“ an der Stelle gesehen, wo sich die Synagoge befand.[62]
Erst gegen 6:30 Uhr erfolgte, laut Feuerbericht, der erste offizielle Einsatz der Feuerwehr aufgrund der Feuermeldung um 6:27 Uhr. Drei Löschzüge der Feuerwache II waren bis 8:28 Uhr im Einsatz. Bei der Ankunft der Feuerlöschpolizei habe das „Gestühl im Erdgeschoss und auf der Galerie“ gebrannt. Das „Vorderhaus“ der Synagoge war betroffen. Eine Brandursache wurde, laut Bericht, nicht festgestellt. Bei diesem etwa zweistündigen Einsatz betrug der Wasserverbrauch ungefähr 120 m³. Dieser erste Brand wurde mit einer größeren Menge an Löschwasser bekämpft.[63]
Bernard Natt schrieb, dass die Feuerwehr vor der Synagoge stand und im Innenraum gelöscht wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt sei das Gebäude noch wenig beschädigt gewesen. Die Feuerwehr habe „noch zu stark“ eingegriffen.[64] Durch die aufstehenden Türen sah Herbert N. Kruskal, dass das Innere der Synagoge gebrannt habe.[65] Zur Ausstattung des Innenraums erwähnte Christine Herrmann die Bestuhlung, glänzende Linoleumböden, eine Garderobe, Toiletten und ein breites Treppengeländer aus Marmor.[66]
Um 7:00 Uhr sollte der Frühgottesdienst in der Synagoge stattfinden. Für gewöhnlich schloss Herr Hau die Synagoge kurz vor 7:00 Uhr auf.[67] Dr. Oppenheimer, der mit seiner Familie in der Friedberger Anlage 22 wohnte, wollte den Frühgottesdienst besuchen. Rechtzeitig machte er sich mit seinen beiden Söhnen auf den Weg. Die drei wurden Zeugen des bereits brennenden Gebäudes und kehrten entsetzt in die Wohnung zurück.[68]
Synagogenvorstand Hugo Bondi stellte seine Wohnung in der Palmstraße 7 für das Morgengebet zur Verfügung.[69] Außerdem warnte er beunruhigte jüdische Bürgerinnen und Bürger, sich der Synagoge zu nähern, so auch Herbert N. Kruskal und dessen Vater.[70] Bondi zählte zu den besonders geschätzten Gemeindemitgliedern. Dies lässt sich etwa den Glückwunschschreiben zu seinem 70. Geburtstag entnehmen.[71]
Am 15. September 1942 wurden Hugo Bondi und seine Ehefrau Franziska geb. Kaiser gewaltsam aus ihrer Erdgeschosswohnung in der Palmstraße 7 geholt, mit 1376 Personen in der Großmarkthalle zusammengetrieben und nach Theresienstadt deportiert.[72] Während Hugo Bondi am 5. April 1943 dort ermordet wurde[73], wurde seine Ehefrau am 12. Oktober 1944 von Theresienstadt aus „nach Osten“ deportiert.[74] Sie gilt im Vernichtungslager Auschwitz als „verschollen“[75]
Synagogenvorstand Hugo Jonas Bondi (1863-1943)

Karteikarte des Krematoriums Theresienstadt

Übersetzung: gemäß der Listen XII/3-XII/8 Frankfurt a. M. – Bondi Hugo – geb. 22.4.63 Mainz – XII/3-131 Frankfurt a. M. – Frankfurt a. M. Palmstr. 7 – gest. 5.4.43 Theresienstadt – Stempel: Einäscherung Theresienstadt
Gegen 8:00 Uhr wurde Herr Dr. Oppenheimer von zwei Gestapo-Männern verhaftet.[76] Parallel zum Pogrom wurden etwa 3000 jüdische Männer in der Festhalle schikaniert, gedemütigt und anschließend nach Buchenwald oder Dachau deportiert.[77] Herr Dr. Oppenheimer wurde gewaltsam nach Buchenwald verschleppt. Gezeichnet von den erlittenen Grausamkeiten kehrte er nach Hause zurück.[78] Am 29. November 1938 emigrierte er nach Jerusalem.[79]
Bei der Verhaftung jüdischer Männer ging die Gestapo nach lange vorbereiteten Listen vor. Diesen Eindruck gewann Julius Meyer: „Denn andererseits sind Leute noch nicht abgeholt worden, die erst in neuerer Zeit in die Gebietskörperschaften eingetreten sind.“[80] Die erwähnte NSDAP-Broschüre leistete bei der Verhaftungsaktion ihren Beitrag.
NSDAP-Broschüre, S 166

Dr. Siegfried Oppenheimer wurde im alphabethischen Verzeichnis mit den Adressen „a) Friedberger Anlage 22, b) Mainzer Landstraße 167 (Polyklinik)“ und unter „Freie Berufe“ –„Aerzte“-„b) Fachärzte“ mit dem Zusatz Innere Medizin an einem Krankenhaus aufgeführt.
In den Morgenstunden wurde der Straßenbahnbetrieb eingestellt. Weder „Autos noch Trambahn fuhren“, als sich Alice Oppenheimer nach der Verhaftung ihres Mannes auf den Weg zu einem jüdischen Anwalt in die Neue Mainzer Straße machte. Sie erwähnte den Vandalismus eines schreienden Mobs, sodass die Zeil mit Glassplittern übersät gewesen sei.[81] Die Straßenbahnlinie 6, die zwischen Palmengarten über Hauptwache, Konstablerwache und Zoo zum Röderbergweg fuhr, wurde eingestellt. An der Kreuzung Friedberger Anlage/Pfingstweidstraße gab es eine Haltestelle.[82]
Die Meldung von der brennenden Synagoge verbreitete sich schnell im Viertel. Die ersten Nachrichten trafen bereits am frühen Morgen ein.[83] Zahlreiche Schaulustige versammelten sich in der Morgendämmerung in der Friedberger Anlage. Walter Jacob Oppenheimer schrieb, die Zuschauer seien zunächst wortlos gewesen.[84]Später habe er leises Sprechen hören können. Im Verlauf des Morgens kamen immer mehr Menschen zusammen. Eine „bewusst von den Nazis aufgeputschte Menschenmenge“ bevölkerte die Straße.[85] Der spätere Publizist Max Oppenheimer war auf dem Weg zur Arbeit. Als er von der Zeil kommend zur Friedberger Anlage gelangte, beobachtete er vor der brennenden Synagoge „johlende Menschen“. Einige hätten SA-Uniform getragen.[86]
Mittlerweile hatten sich unter die Schaulustigen Personen gemischt, die die antijüdische Stimmung lautstark anheizten. Dies bestätigte Benjamin Hirsch. Als er mit seinem Cousin die Brandschatzung und Plünderung beobachtete, hätten sich fast hundert Zuschauer gegenüber der Synagoge befunden. Etwa die Hälfte der Schaulustigen sei so „betäubt“ von dem „Massaker“ gewesen wie er und sein Cousin. Die andere Hälfte aber habe die „Rowdies“ in beängstigender Weise lautstark angefeuert „wie auf einem Fußballplatz“.[87] Max Oppenheimer bestätigte, dass sich vor dem Eingang der Synagoge „eine Gruppe von Halbwüchsigen“ „produziert“ habe. Die Täter hätten in Gebetsmänteln getanzt und unter lautem Lachen Thorarollen ins Feuer geworfen.[88]
Als die Menschenmenge die Straßen zunehmend unsicher machte, brachte Frau Franke, die christliche Sekretärin von Dr. Oppenheimer, die Kinder der Familie vorübergehend nach Frankfurt-Eschersheim zu ihrer Tochter, um diese vor der randalierenden Menge zu schützen.[89]
Gegen 9:00 Uhr wurden jüdische Schülerinnen und Schüler nach Hause geschickt, da die Sicherheit nicht mehr garantiert werden konnte.[90] Die nahe gelegene Samson-Raphael-Hirsch-Schule wurde vorübergehend geschlossen. Einige Schülerinnen und Schüler kehrten bereits auf ihrem Schulweg um. Norbert Strauss und sein Bruder hielten am Uhrtürmchen beim Anblick der brennenden Synagoge an. Auf den Rat eines Passanten seien sie wieder nach Hause gefahren.[91]
Am 10. November 1938 vermeldete das Frankfurter Volksblatt den Tod von Ernst vom Rath in großer Aufmachung. „Juden in Deutschland“ würden „zur Verantwortung gezogen“.[92] Mit einer Auflage von 98.000 Exemplaren im Oktober 1938 erreichte das Blatt eine zahlreiche Leserschaft.[93] Über ihr „amtliches Organ“ erfasste die NSDAP damit eine beträchtliche Anzahl Frankfurter Privathaushalte und öffentliche Einrichtungen. Auf der Titelseite des hier herangezogenen Zeitungsexemplars findet sich ein handschriftlicher Kommentar unbekannter Herkunft. Diese Randnotiz spiegelt das Tagesgeschehen aus der Sicht einer vom Nationalsozialismus überzeugten Person wider:
„Die Juden in Ffurt [Main] müssen die Tat sehr teuer bezahlen, alle Läden, Geschäfte wurden zertrümmert und die 4 Synagogen sind ausgebrannt, zwar gründlich!“ „Schneller als man gedacht hat das Rachewerk eingesetzt am heutigen frühen Morgenbrennen 3 Synagogen lichterloh! […] Die Polizei sieht zu, das Publikum lacht!“[94]
10. November 1938
Im weiteren Tagesverlauf
Marodierende Trupps von SA und HJ erreichten das Ostend und zerstörten dort Geschäfte und Wohnungen. Alice Oppenheimer beobachtete am Nachmittag eine Menge randalierender und johlender Menschen, die mit Hölzern, Steinen und Äxten bewaffnet durch die Anlage gekommen seien. Sie hätten: „Nieder mit den Juden!“ gerufen. Frau Oppenheimer habe um ihre „schöne Villa“ gefürchtet. Die Menge habe sich zwar genähert, sei aber plötzlich in die Fichtestraße eingebogen, in der auch Rabbiner Horovitz wohnte.[95]
Noch am Nachmittag erfuhr die Bevölkerung über Radio vom Abbruch des Pogroms.[96] Dazu erging ein entsprechender Aufruf von Goebbels.[97] Dennoch wurden die antisemitischen Ausschreitungen fortgesetzt. Der blinden Zerstörungswut der Täter konnte kaum Einhalt geboten werden. Einen Tag später erschien in der Presse die dringliche Aufforderung von Goebbels an die „gesamte Bevölkerung“, „von allen weiteren Demonstrationen und Aktionen gegen das Judentum, gleichgültig welcher Art, sofort abzusehen.“ Weitere Reaktionen auf das Attentat erfolgten auf legalem Wege.[98] Der Eindruck, dass man die Situation nicht unter Kontrolle habe und spontane Demonstrationen möglich seien, sollte vermieden werden.
In der Abenddämmerung verschaffte sich Frau Oppenheimer ein Bild vom Ausmaß der Verwüstungen. Im Haus des Rabbiners traf sie dessen Frau und Kinder völlig verstört an. Zum Wüten der Täter schrieb sie:
„Wahrhaftes Grauen erfaßte mich. Die Mauern des Hauses standen, doch kein Fensterrahmen war in seinen Angeln. Die Scheiben lagen zersplittert am Boden. Türen waren ausgehoben, zerschlagen, der Tisch zerhackt. Eine wertvolle heilige Büchersammlung zerrissen – die Buchseiten lagen in Fetzen im Vorgarten herum, wirbelten im Winde auf und ab. […] Alles Essen, das sie im Hause hatten, die wenige Milch – alles hatte der Mob ausgeschüttet, fortgeworfen, dazu gejohlt: `Judenkinder brauchen keine Milch, kein Essen!`“[99]
Zerstört wurde auch die jüdische Bäckerei Karpf im Sandweg 29. Inge Heß wohnte in diesem Haus. Sie sah, wie Hitlerjungen vor der Bäckerei auf Mehl und auf einer Torte herumtrampelten.[100] Rose Teichert berichtete ergänzend, dass „alles zerschlagen“ worden sei.[101]
Ein wiederholtes „Schaustück“ für die „Volksmenge“
11. November 1938
In der Nacht zum Freitag, dem 11. November 1938, wurde unter Beteiligung der SA ein Großbrand gelegt. Aus dem Feuerbericht geht hervor, dass sich vier Löschzüge der Feuerwache II von 0:31 Uhr bis 4:33 Uhr vor Ort befanden. Danach hielt die Feuerwehr „Brandwache bis 7:48“ Uhr. Die Synagoge habe „in ganzer Ausdehnung“ gebrannt. „Nebenhäuser“ in der Friedberger Anlage seien „in Gefahr“ gewesen. Während dieses gut siebenstündigen Einsatzes lag der Wasserverbrauch bei etwa 160 m³. Feuerwehrmann Jenne sei durch „Verschüttung“ verletzt und in ein Krankenhaus gebracht worden.[102] Grund dafür könnten herabfallende Gebäudeteile gewesen sein. Denn bei diesem Brand wurde die Synagoge „noch gründlicher angesteckt“, sodass sie innen völlig ausgebrannt und das Dach eingestürzt sei.[103]
Noch am 11. November 1938 erfolgte eine Besprechung bei Oberbürgermeister Dr. Krebs. Branddirektor Langbeck berichtete „über die anstrengende Tätigkeit der Feuerwehr am 10. und 11. November“. Aus dem Protokoll ergibt sich, dass bei dem Einsatz an der Friedberger Anlage „ein Feuerwehrmann und ein SA-Mann verletzt worden“ seien. Der Oberbürgermeister erkenne „die aufopfernde Tätigkeit d. Feuerwehr besonders“ an.[104]. Während die Verletzung eines SA-Mannes im Feuerbericht nicht aufgeführt wurde, räumten die NS-Behörden im Besprechungsprotokoll die Täterschaft der SA ein.
Der Großbrand war an diesem Vormittag länger sichtbar. Herbert N. Kruskal hatte Rabbiner Horovitz und Samuel Eisemann mit seinem Auto ins Rothschild-Spital im Röderbergweg gebracht. Auf dem Rückweg sei er an der „rauchenden Synagoge Friedberger Anlage“ vorbeigefahren.[105]
Am 11. November 1938 publizierte der Nationalsozialistische Gaudienst Hessen-Nassau die offizielle Presseerklärung zu den „Vorgängen“ vom Vortag. Hierin wurde das Pogrom als ein „spontaner Ausdruck“ einer „Volksbewegung“ dargestellt. Wortreich wurden der „Sturm der Empörung und Entrüstung“ sowie die „gewaltige Demonstration aller Volksteile“ beschrieben. „Zehntausende“ seien auf den Straßen Frankfurts zusammengeströmt und hätten gegen Mittag „in unermesslichen Scharen“ die Straßen gefüllt. Zu Plünderungen sei es nirgends gekommen. Die Frankfurter Synagogen seien der „von allen Bevölkerungsschichten getragenen mitreißenden Demonstration zum Opfer“ gefallen.[106]
Die Parteiversion verfälschte die Tatsachen. Allein die NS-Führung war für das Pogrom verantwortlich. Synagogen wurden von SA und HJ gebrandschatzt, zerstört und geplündert. Jüdische Geschäfte wurden nicht nur „gestürmt“[107], sondern auch derartig beschädigt, dass die wirtschaftliche Existenz des Inhabers bedroht oder vernichtet wurde. Verhaftungen von jüdischen Bürgern verschwieg die Presseerklärung. Mit dem wiederholt benutzten Begriff „Demonstration“ verharmloste man die antisemitischen Gewalttätigkeiten.
Im Kontrast zu dieser Presseerklärung konnte die Leserschaft am gleichen Tag den Aufruf von Goebbels vom Vortag in der Zeitung lesen. Die knapp formulierte „strenge Aufforderung“ zum sofortigen Abbruch des Pogroms[108] stellte ein Eingeständnis der NS-Regierung dar, dass die vermeintliche „Demonstration“ des Volkes keineswegs gemäßigt und diszipliniert ablief, wie es die Presseerklärung suggerierte.[109]
Nachdem sich die persönliche Lage von Frau Oppenheimer zugespitzt hatte, entschloss sie sich umgehend nach Zürich zu fliehen. Frau Franke, die christliche Sekretärin, führte Frau Oppenheimer mit ihren Kindern ruhig und sicher durch die Kontrollen des von SS-Männern umstellten Hauptbahnhofs. Nur mit FrauFrankes Hilfe habe die Familie den Zug in die Schweiz besteigenkönnen.[110]
Das Pogrom forderte im Viertel zahlreiche Verletzte. Am Vormittag klagte der Klinikarzt Dr. Godchaux Schnerb darüber, dass das Rothschild-Spital mit blutig geschlagenen Juden ausgelastet sei.[111] Neben der medizinischen Versorgung bot das jüdische Krankenhaus zugleich eine Zufluchtsstätte für die Opfer.
Am Nachmittag des 11. November 1938 wurde die Feuerwehr durch das 5. Polizeirevier in die Friedberger Anlage gerufen. Von 14:50 Uhr bis 18:13 Uhr befand sich ein Löschzug vor Ort. Nähere Angaben über den Brand der Vordergebäude bei Ankunft des Löschzuges fehlen. Bei diesem etwa dreistündigen dritten Einsatz wurde der Wasserverbrauch nicht beziffert.[112] Der Brand wurde lediglich überwacht.
12. und 13. November 1938
Am Samstag, dem 12. November 1938, wurde Rabbiner Horovitz aus dem Rothschild-Spital heraus von der Gestapo verhaftet und acht Tage inhaftiert. Im Polizeigefängnis war er gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt. Man habe ihm den Bart abrasiert und ihn dabei so sehr verletzt, dass die Wunde habe genäht werden müssen. Grundlos sei er der Brandstiftung bezichtigt worden. Er habe aber glaubhaft versichern können, dass er zur fraglichen Zeit krank und deshalb nicht in der Synagoge gewesen sei.
Unter Gewaltandrohung habe der Rabbiner Auskünfte über den Aufbewahrungsort der Schätze geben sollen. In der Nacht zum 13. November 1938 brachte man ihn noch einmal in die Synagoge.[113] Der Tresor war jedoch bereits vollständig geplündert worden. Dies zeigt, dass sich die Tätergruppen nicht abgesprochen hatten. Zudem waren zu diesem Zeitpunkt die antisemitischen Ausschreitungen von der NS-Führung bereits untersagt worden.
Am späten Nachmittag des 12. November 1938 rückte die Feuerlöschpolizei ein viertes Mal zum Einsatz aus. Wie am Vortag erfolgte die Feuermeldung um 16:57 Uhr über das 5. Polizeirevier. Ein Löschzug der Feuerwache II war von 16:58 Uhr bis 18:42 Uhr vor Ort. „Verschiedene Brandnester im Dachgebälk und im I. Stock“ fand die Feuerlöschpolizei vor. Diese seien wieder „aufgeflammt“. Lediglich 2 m³ Wasser wurden verbraucht.[114]
Ein letztes Mal wurde die Feuerwehr am Sonntag, dem 13. November 1938, zum Synagogenbrand gerufen. Um 13:28 Uhr ging die Feuermeldung ebenfalls durch das 5. Polizeirevier bei der Feuerwache II ein. Ein Löschzug hielt sich bis 16:23 Uhr an der „alten Brandstelle“ auf, wo erneut alte Brandherde aufloderten. Als Brandursache wurden jetzt „Sonstige Ursachen“ angekreuzt. Mit 4 m³ war der Wasserverbrauch wiederum sehr niedrig.[115]
In den fünf Feuerberichten wurde bewusst verschwiegen, dass es sich beim ersten Brand wie auch an den folgenden Tagen um vorsätzlich gelegte Feuer handelte. Brandursachen wurden nicht näher angegeben oder auflodernde Brandherde als Gründe vorgeschoben. Brandstifter und Polizei dürften bei den Brandschatzungen zusammengearbeitet haben. Denn bei den drei letzten Einsätzen wurde die Feuerlöschpolizei jeweils durch das 5. Polizeirevier alarmiert. Rabbiner Horovitz bestätigte die mehrfachen Brandstiftungen. Da das Feuer nicht die beabsichtigte Zerstörung bewirkt habe, sei noch viermal, unter anderem mit Hilfe großer Benzinfässer, Feuer gelegt worden. Dadurch sei „der Volksmenge wiederholt ein Schaustück“ geboten worden.[116]
Die Feuerlöschpolizei ließ die Täter gewähren. Sie fungierte nicht mehr „als ein Werkzeug für die Allgemeinheit“, das nach „pflichtgemäßem Ermessen“ handeln soll[117], sondern als Erfüllungsgehilfe des NS-Regimes. Die Feuerberichte durften keinerlei Angaben enthalten, die auf vorsätzliche Brandstiftung schließen ließen. Damit sind die Berichte keineswegs „richtig, unbedingt klar, deutlich und erschöpfend“[118].
Die endgültige Zerstörung
17. November 1938 bis 20. Juni 1939
Der Abriss der Synagoge
Die Zerstörung der Synagoge in der Friedberger Anlage fand mit der vollständigen Beseitigung des Gebäudes durch die Stadt ihren Abschluss. Bereits am Freitag, dem 11. November 1938, erfolgte eine Besprechung mit dem Oberbürgermeister. Soweit die „Standsicherheit“ der Synagogengebäude gefährdet sei, solle deren Abriss umgehend veranlasst werden.[119] Am 14. November 1938 stand fest, dass nach „Ansicht der Baupolizei“ auch die Synagoge Friedberger Anlage zu den gefährdeten Synagogen zähle. Zur Beschleunigung könne der Auftrag ohne Ausschreibung an „zuverlässige Unternehmer“ vergeben werden.[120] Bereits am 17. November 1938 begann der Abriss.[121]
Synagoge nach dem Pogrom

Die Abrissarbeiten waren noch nicht ersichtlich. Ein Bretterzaun versperrte die Zugänge. Man erkennt die beschädigte Rosette. Das Dach der Synagoge sowie die Dächer der seitlichen Vorbauten fehlten.
In einer Besprechung vom 18. November 1938 wurde beschlossen, dass der „Abbruch der Synagogen in der Innenstadt von den Juden selbst veranlasst wird.“[122] Am 21. November 1938 notierte Oberbaurat Fischer, dass er mit Herrn Bondi als Vertreter der Israelitischen Religionsgesellschaft über den Abbruch verhandelt habe.[123] Diese Unterredung fand nach Beginn der Abbrucharbeiten statt, sodass die Gemeinde vor vollendete Tatsachen gestellt wurde.
Am 9. Dezember 1938 beauftragte Bauamtsleiter und Stadtrat Dr. Müller die Dienststelle Hochbau, ihn wöchentlich über den Stand der Abbrucharbeiten zu unterrichten. Die Arbeiten schienen dem Stadtrat zu langsam voranzugehen. Dr. Müller legte die Meldungen des Hochbauamtes dem Oberbürgermeister zur Kenntnis vor.[124] Bis Juni 1939 wurden 27 Meldungen verfasst.
Der Abbruchunternehmer Karl Bossert übernahm den überwiegend manuellen Abriss der Synagoge Friedberger Anlage. Das Unternehmen beschäftigte in der ersten dokumentierten Woche bis zum 16. Dezember 1938 täglich 22 Arbeiter, die zunächst Befestigungen in Form von Eiseneinlagen abtragen mussten, was sich als schwierig erwies.[125] Trotz des starken Frostes und Schneefalls am 20. und 21. Dezember 1938 wurde die Zahl der Arbeiter auf 33 aufgestockt. Diese konnten jedoch nur Baustoffe abfahren und Aufräumarbeiten erledigen.[126] Ende Dezember 1938 meldete das Hochbauamt, dass die Anzahl der Arbeiter auf knapp die Hälfte reduziert worden sei. Man begann damit, die „eisernen Binder der Dachkonstruktion“ abzuschweißen.[127]
Anfang Januar 1939 konnten die Arbeiten bei Tauwetter intensiviert werden.[128] Aus den Meldungen bis zum 20. Februar 1939 ergibt sich, dass gute Wetterbedingungen herrschten und vorübergehend 40 Arbeiter eingesetzt werden konnten.[129] Ende Februar 1939 bestanden die Schwierigkeiten wegen der „vielen Eisenbetoneinlagen“ noch immer. Das Schiff der Synagoge sowie die beiden Eingangstüren seien vollständig, die Seitenflügel teilweise „niedergelegt“ worden.[130] Im März 1939 forcierte man den Abriss der Türme und Seitenflügel. In der letzten Märzwoche wurde einmalig das Mittel der Sprengung eingesetzt.[131]
Im April 1939 dauerten die Aufräumarbeiten noch an.[132] Außerdem begann das Abbruchunternehmen damit, die Umfassungsmauern abzutragen. Diese Arbeiten erstreckten sich bis Anfang Juni 1939.[133] Erst am 12. Juni 1939 konnte das Bauamt den endgültigen Abriss vermelden. Es würden „nur noch Baustoffe abgefahren.“[134] In einer letzten Meldung wurde am 20. Juni 1939 abschließend mitgeteilt, dass der Platz an der Synagoge Friedberger Anlage eingeebnet und der Abbruch damit beendet sei.[135]
Die vollständige Zerstörung der Synagoge in der Friedberger Anlage erstreckte sich über ein halbes Jahr. Nichts sollte mehr an das große Gotteshaus erinnern. Allerdings blieben die Kellerräume erhalten. Christine Herrmann bestätigte die Existenz eines Kellers. Zu bestimmten Zeiten seien Frauen über eine Treppe in den Keller gegangen. Dort hätten sie in einem mit Warmwasser gefüllten „Tauchbassin“ gebadet. Dieses Bad sei „eine religiöse Sache“ gewesen.[136] Damit bezeugte Frau Herrmann, dass die Synagoge über eine Mikwe verfügte. In den Kellerräumen befand sich auch der Tresor, in dem wertvolle Ritualgegenstände aus Gold und Silber aufbewahrt wurden. Herr Ariel bezeichnete diesen Ort als „Silberkeller“.[137] Große Teile des Kellers wurden erst durch den Bau des Hochbunkers zerstört.
Auswirkungen auf das Ostend
Am 3. April 1939 kaufte die Stadt Frankfurt mehr als 20 jüdische Liegenschaften und Begräbnisstätten auf. Infolge des Pogroms verloren jüdische Immobilien an Wert, sodass diese von der Stadt preiswert aufgekauft werden konnten. Dieser Zugriff erfolgte bereits, als die Abrissarbeiten an der Synagoge Friedberger Anlage noch andauerten. Zur Begründung des Erwerbs jüdischer Liegenschaften führte Oberbürgermeister Dr. Krebs an, er habe im Rahmen der Gesetze „zur Abwicklung der Judenfrage“ die „vermögensrechtlichen Verhältnisse der Jüdischen Gemeinde“ überprüfen lassen. Die Jüdische Gemeinde sei nicht mehr in der Lage, ihren fürsorglichen Verpflichtungen nachzukommen. Deshalb müsse ihr verbleibendes Vermögen sichergestellt und „verflüssigt“ werden. Beim Ankauf müsse „schnell gehandelt werden“, ohne die Gemeinderäte anzuhören.[138] Die Zwangsenteignung jüdischen Besitzes zu Gunsten der Stadt wurde verschleiert.
In der Anlage 1 zum Kaufvertrag wurde die Größe des Grundstücks der Synagoge Friedberger Anlage mit 3.138 m2 angegeben. Der Quadratmeterpreis betrug 20,- RM, sodass sich ein Kaufpreis von 62.760,- RM ergab. Dieser von der Stadt festgesetzte Preis lag deutlich unter dem städtischen Zuschuss von 86.000,- RM zu den Abbruchkosten.[139] Der vollständige Abriss der Synagoge war der Stadt mehr wert als die Liegenschaft selbst.
Auch nichtjüdische Privatleute bereicherten sich an jüdischen Vermögenswerten. Bereits am 6. Dezember 1938 protokollierte der Rechtsanwalt und Notar Dr. Ernst de la Fontaine den Grundstückskaufvertrag für das Haus Friedberger Anlage 22. Dort wohnte Dr. Siegfried Oppenheimer mit Familie. Im November 1938 war der Familie die Flucht nach Palästina gelungen. Im Kaufvertrag wurden Alice Oppenheimer geb. Stern und ihre Schwester Sara Sittah Mainz geb. Stern als Verkäufer genannt. Marie Elisabeth Merget erwarb die Liegenschaft zum Preis von 30.000,- RM. Die Übergabe erfolgte am 1. Januar 1939. Der Kaufvertrag wurde von Johanna Franke und Dr. Georg Hans Merget als Vertreter der beiden Parteien unterzeichnet.[140]
Die rasche Veräußerung des Grundstücks der Schwestern erfolgte in deren Abwesenheit. Sara Sittah Mainz dürfte sich wenige Tage vor der Protokollierung noch in ihrer Parterrewohnung aufgehalten haben. Denn sie kümmerte sich Ende November 1938 um ihren aus Buchenwald zurückgekehrten Schwager.[141]
Johanna Franke handelte in Vertretung der beiden Schwestern, aber ohne jegliche Vollmacht. Im Kaufvertrag hieß es, Frau Franke habe versprochen, die „Vollmachten nachzubringen“.[142] Mit einem Kaufpreis von 30.000,- RM wurde das Hausgrundstück deutlich unter Wert veräußert. Die Eltern der beiden Schwestern hatten das Haus ursprünglich für 250.000,- RM erworben.[143]
Marie Elisabeth Merget ließ sich bei der Protokollierungdes Kaufvertrags von ihrem Vater, Rechtsanwalt Dr. Merget, vertreten. Beide wohnten in der Fichtestraße 9 und damit unweit des Kaufobjekts. Dr. Merget konnte ebenfalls keine Vollmacht vorlegen.[144] Der Kaufvertrag sollte schnell abgewickelt werden.
Vor der endgültigen Genehmigung musste die politische Zuverlässigkeit der Käuferin überprüft werden. Mit einer dringlichen Aufforderung ersuchte der Kreiswirtschaftsberater der NSDAP am 28. April 1939 die Ortsgruppe Sandweg um „sofortige Mitteilung, ob gegen die Person des Erwerbers in politischer Hinsicht Bedenken bestehen.“[145] Ortsgruppenleiter Schneider führte aus, dass die Eltern der Käuferin „mehrfache Hausbesitzer“ seien. Es bestünden zwar keine Einwände in politischer Hinsicht. Es sei aber zu vermuten, dass dieEltern die Geldgeber seien. Deshalb würde er dem Erwerb nicht zustimmen.[146] Dennoch wurde der Verkauf wenig später abgeschlossen.
Die Vermutung des Ortsgruppenleiters ist nicht unbegründet. Denn Marie Elisabeth Merget musste bei der Stadt eine eidesstattliche Erklärung abgeben, dass sie keine weiteren Hauskaufverträge getätigt habe und sich auch keine weiteren Grundstücke in ihrem Eigentum befänden.[147] Die Eltern hätten eine solche Erklärung nicht abgeben können und schickten deshalb ihre Tochter vor.
Das Haus Friedberger Anlage 22 wurde im Zuge der sogenannten „Arisierung“ zwangsweise unter Wert verkauft, damit enteignet und in nichtjüdischen Besitz überführt. Zudem wurde der gesamte Hausrat, die vielen „Kostbarkeiten“[148], der Käuferin übereignet. Familie Merget dürfte ihr Vermögen erheblich gesteigert haben.
Haus Friedberger Anlage 22

Nicht nur durch Enteignung, sondern auch durch Zwangsversteigerung ging jüdisches Eigentum in nichtjüdischen Besitz über. Am 20. Juni 1939 wurde das Haus im Sandweg 29, das dem jüdischen Bäcker Karpf gehörte, im Rahmen der „Entjudung des Grundbesitzes“ nach der „Auswanderung des Veräusseres“[149] zwangsversteigert. Das Haus habe sich in schlechtem Zustand befunden. Von den 5000,- RM Instandsetzungskosten veranschlagte man 1000,- RM für die beiden während des Novemberpogroms zerstörten großen Schaufenster sowie die beschädigten Klappläden.[150] Zudem wurde die zu erzielende Miete niedriger als die gesetzliche Miete angesetzt.[151] Den Zuschlag erhielt Frau Berta Widmaier für ein Gebot von 28.000,- RM.[152] Auch hier gelangte jüdisches Eigentum unter Wert in nichtjüdischen Besitz.
Wie die Bäckerei Karpf so verkaufte auch die Konditorei Julius Grünebaum in der Hanauer Landstraße 4 koschere Waren. Die Konditorei arbeitete unter der Aufsicht der Israelitischen Religionsgesellschaft und betrieb auch ein Café. Julius Grünebaum erhielt am 10. Juni 1910 die Konzession für Konditorei und „Kaffee“ sowie den Ausschank alkoholfreier Getränke und Wein. Nach seinem Tod im Jahr 1916 führte seine Frau Mathilde das Café weiter, das Alois Jung im April 1940 unter dem Namen „Saarland-Café“ übernahm. Die ursprüngliche Bemerkung „Juden“ als „Eigenart“ des Cafés wurde unkenntlich gemacht.[153] Das traditionsreiche jüdische Geschäft ging in nichtjüdischen Besitz über.
Fazit und Ausblick
Die Zerstörung der Synagoge in der Friedberger Anlage bedeutete den Verlust eines bewunderten imposanten Gebäudes. Der zentrale Ort der Religionsausübung, die Stätte ritueller Kultgegenstände fiel den gewalttätigen Ausschreitungen zum Opfer. Mit der Zerstörung und dem Abriss der Synagoge gingen Verluste der eigenen Identität, der sozialen Kontakte und der materiellen Existenz einher. Die Jüdinnen und Juden des Frankfurter Ostends wurden zum Verlassen der Heimat genötigt und damit vertrieben.
Das Geschehen lässt sich wie folgt zusammenfassen: Der Aufruf zum Pogrom am späten Abend des 9. November 1938 versetzte die Ortsgruppen Sandweg und Ostend, die bei Feiern dem Hitlerputsch von 1923 gedachten, in Alarmbereitschaft. Täter und Helfer waren verfügbar. Sie rekrutierten sich primär aus SA, HJ, SS, Gestapo, Polizei und Feuerwehr. Daneben sind auch diejenigen zu nennen, die ohne Zugehörigkeit zu NS-Organisationen mitmachten oder sich passiv verhielten.Viele Beteiligte überschritten Grenzen, indem sie Plünderungen vornahmen oder die antisemitischen Ausschreitungen noch nach dem Ende fortsetzten.
Am frühen Morgen des 10. November 1938 gegen 4:30 Uhr zwangen alkoholisierte Täter den Synagogenverwalter Justin Hau, die Synagoge zu öffnen. Trotz dieser gefährlichen Situation riskierte es Herr Hau offenbar, einige rituelle Gegenstände aus der Synagoge zu retten. Obwohl jüdisches Eigentum verschont werden sollte, wurde die Synagoge geplündert. Rabbiner Horovitz musste den Tätern unter Gewaltandrohung verraten, wo sich der Tresor befand. Obersynagogendiener David Ginsberger wurde dazu gezwungen, den Tresorschlüssel herauszugeben. Mit herbeigeschafften Benzinkanistern und Brandsätzen zündeten die Täter die Synagoge an.
Die Feuerwehr wartete zunächst ab und fuhr auffallend langsam an der Synagoge vorbei. Gegen 6:00 Uhr war das Feuer nach außen hin sichtbar. Die Feuerlöschpolizei verbuchte ihren ersten Einsatz in ihren Feuerberichten erst gegen 6:30 Uhr. Das Morgengebet fand in der Wohnung des Synagogenvorstandes Hugo Bondi statt. Mit Beginn des Brandes versammelten sich Schaulustige vor der brennenden Synagoge. Diese verfolgten das Geschehen wortlos oder heizten die antisemitische Stimmung lautstark an.
In der Nacht zum 11. November 1938 legte die SA einen Großbrand. Die Feuerwehr stellte lediglich sicher, dass das Feuer nicht auf die Nachbargebäude übergriff. In weiteren Einsätzen wurde der Brand bis zum 13. November 1938 nur noch überwacht. Die Berichte der Feuerwehr verschwiegen die mehrfache Brandschatzung.
Die Zerstörung der größten Frankfurter Synagoge geschah in einem jüdisch geprägten Stadtviertel. Jüdinnen und Juden wohnten in direkter Nachbarschaft zu den Tätern. Die NSDAP legte frühzeitig den Nährboden für die antisemitische Überzeugung vieler Bürgerinnen und Bürger. Sie erlangte Zugriff auf das Viertel und infiltrierte die Bevölkerung mit ihrer Ideologie. Dennoch war das Zusammenleben nicht grundsätzlich feindselig. Jüdinnen und Juden erhielten auch Unterstützung von der nichtjüdischen Bevölkerung.
Nach dem Pogrom wurde die Synagoge abgerissen und damit aus dem Stadtbild entfernt. Jüdisches Eigentum ging durch Zwangsverkauf oder Zwangsversteigerung in nichtjüdischen Besitz über. Privatleute sowie die Stadt Frankfurt profitierten. NS-Behörden, NS-Organisationen, Abrissunternehmen oder Notare beteiligten sich an der Beseitigung der Spuren jüdischen Lebens.
Die Ausführungen haben gezeigt, dass eine Rekonstruktion der Ereignisse nur in Ansätzen möglich ist. Weitere historische Forschungen sind wünschenswert. Daneben sollte auch das heute noch Existierende, das der Zerstörung nicht zum Opfer fiel, geborgen werden. Nur so kann ein authentischer Blick gelingen. Die Initiative 9. November e. V. setzt sich seit Jahren für die dauerhafte Freilegung von Grundmauern ein. Zentrales Anliegen sollte auch eine Freilegung von Kellerräumen, einschließlich der Mikwe, sein.
Die unmittelbare Begegnung des Betrachters mit dem Historischen schafft neues Erleben, Erkennen und Erfahren. Der Blick auf jüdisches religiöses Leben vor der Vernichtung durch das NS-Regime würde geschärft. Freigelegte Gebäudereste auf dem Areal der einstigen Synagoge würden den historischen Ort bereichern.
Quellen- und Literaturverzeichnis
I. Quellen
1. Archivalische Quellen
Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main (Sigel ISG FFM)
- ISG FFM Best. A.02.01 Magistratsakten Nr. 5800, Nr. 9392
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- ISG FFM Best. 37 Branddirektion Nr. 104, Nr. 124, N. 262
- ISG FFM Best. A.40.01 Schulamt, Nr. 3816
- ISG FFM Best. A.62.02 Gutachterausschuss für Grundstücksbewertung Nr. 293, Nr. 1425
- ISG FFM Best. S3 Sammlung Ortsgeschichte, Nr. 452, Nr. 13923, Nr. 23367
- ISG FFM Best. S7A Stadtbilder – Frankfurt bis 1943, Nr. 1998-14088, Nr. 2001-242
- ISG FFM Best. S7P Porträtsammlung Nr. 1565, Nr. 5133, Nr. 6892
Zeitungen
- ISG FFM MF 15 General-Anzeiger der Stadt Frankfurt am Main
- ISG FFM MF 17 Frankfurter Zeitung / Stadt-Blatt
- ISG FFM Zsf 268 Frankfurter Volksblatt
Privatbesitz
- NSDAP-Broschüre: Eine Antwort auf die Greuel- und Boykotthetze der Juden im Ausland, hrsg. von Otto Fischer, Frankfurt am Main 1934.
Zeitzeugeninterview
- Interview mit dem ehemaligen Stadtkämmerer der Stadt Frankfurt am Main Dr. h. c. Ernst Gerhardt, geführt am 15.5.2025 von der Verfasserin
2. Edierte und digitalisierte Quellen
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- Krohn, Helga; Ein „Gruß aus Frankfurts schönstem Stadtteil“ – Blick in die Frankfurter Stadtentwicklung, in: Ostend: Blick in ein jüdisches Viertel, Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main 2000, S. 10-25.
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- Steen, Jürgen (Bearb.); „Die Synagogen brennen …!“ Die Zerstörung Frankfurts als jüdische Lebenswelt, Ausstellungskatalog, Frankfurt am Main 1988.
2. Internetbeiträge
- Frankfurt 1933-1945, Topografie, Plan von 1943, Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Stand 2026, https://www.frankfurt1933-1945.de/topografie/plan-von-1943.
- Frankfurt 1933-1945, Topografie, Plan von 1943, NS-System und Alltag, Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Stand 2026; https://www.frankfurt1933-1945.de/topografie/plan-von-1943/filterthema1943/ns-system-und-alltag.
- Heinrich-von-Gagern-Gymnasium, Schulgeschichte: Vom Kaiser-Friedrich-Gymnasium zum Heinrich-von-Gagern-Gymnasium von Matteo Cornelli am 18.08.2023, https://hvgg.de/2023/08/schulgeschichte/.
- [1]„Kramer, Walter* Karl Otto, “, in: Hessische Biografie, https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/22306_kramer-walter-karl-otto, Stand 30.11.2023.
- Lebendiges Museum Online (Lemo), NS-Regime, Ausgrenzung und Verfolgung, Novemberpogrome 1938, verfasst von Oliver Schweinoch, Deutsches Historisches Museum, Berlin 9. November 2021; https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/ausgrenzung-und-verfolgung/novemberpogrom-1938.html.
- Longerich, Peter; Novemberpogrome 1938 (publiziert am 04.09.2025), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/novemberpogrome-1938-602.
- Shoah Memorial Frankfurt, hrsg. vom Jüdischen Museum Frankfurt, Shoah in Frankfurt, 2021/2022; https://www.shoah-memorial-frankfurt.de/shoah-in-frankfurt .
- tramfan-ffm, Nahverkehr Frankfurt damals, Strecken- und Liniendokumentation, Liniennetz Frankfurt, Stand 1938, verantwortlich Bernd Rodmann Frankfurt am Main 2014, https://www.tramfan-ffm.de/netzplaene/Netz1938.png.
Abbildungsverzeichnis
Frankfurt, Friedberger Anlage 22, Foto von Karsten Ratzke vom 28. Januar 2014
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Frankfurt,_Friedberger_Anlage_22.JPG.
ISG FFM Best. S7A Stadtbilder – Frankfurt bis 1943, Nr. 1998-14088, Nr. 2001-242
ISG FFM Best. S7P Porträtsammlung Nr. 1565, Nr. 5133, Nr. 6892
Kartei Theresienstadt, Podle listiny XII/3-XII/8 Frankfurt a. M., 1.1.42.2/11422001 031/ ITS Digital Archive, Arolsen Archives; https://collections.arolsen-archives.org/de/search?s=Hugo%20Bondi.
NSDAP-Broschüre: Eine Antwort auf die Greuel- und Boykotthetze der Juden im Ausland, hrsg. von Otto Fischer, Frankfurt am Main 1934, Privatbesitz.
Verwaltungsgebäude der Feuerwache II, Burgstraße 11c, Foto von Epizentrum vom 24. Mai 2013 https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Frankfurt_Burgstra%C3%9Fe_11c.20130524.jpg.
[1]„Kramer, Walter* Karl Otto, “, in: Hessische Biografie, https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/22306_kramer-walter-karl-otto, Stand 30.11.2023 (aufgerufen am 30.12.2025).
[2] Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main (Sigel: ISG FFM) Best. S3 Nr. 13923, NSDAP: Ortsgruppe Ostend.
[3] 25-Punkte-Programm der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (24.02.1920), in: documentArchiv.de, Stand 03.012004; http://www.documentarchiv.de/wr/1920/nsdap-programm.html (aufgerufen am 16.5.2024).
[4] Christian Hartmann u. a. (Hrsg.), Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition, 2 Bde., im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, 13. Aufl., München 2022, https://www.mein-kampf-edition.de/ (aufgerufen am 16.5.2024).
[5] ISG FFM Best. S3 Nr. 13923, NSDAP: Ortsgruppe Ostend; vgl. auch ISG FFM Best. A.32.02 Nr.1942, Wirtschaftserlaubnis „Röderbergfelsenkeller“, Karteikarte vom 5.12.1941.
[6] ISG FFM Best. S3 Nr. 13923, NSDAP: Ortsgruppe Ostend.
[7] Benedikt Burkard u. a. (Hrsg.), Eine Stadt macht mit, Frankfurt und der NS, Begleitbuch zur Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt 9. Dezember 2021 – 11. September 2022, (= Schriften des Historischen Museums Frankfurt, hrsg. von Jan Gerchow, Bd. 42), Petersberg [2022]. S. 29.
[8] Frankfurt 1933-1945, Topografie, Plan von 1943, NS-System und Alltag, Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Stand 2026; https://www.frankfurt1933-1945.de/topografie/plan-von-1943/filterthema1943/ns-system-und-alltag (aufgerufen am 13.1.2026).
[9] ISG FFM Best. S3 Nr. 452, SA und andere NSDAP-Gliederungen, Artikel: Die Muster-Ortsgruppen des Kreises Groß-Frankfurt, Frankfurter General-Anzeiger, Freitag, 29. Juni 1934, S. 6.
[10] ISG FFM Best. S3 Nr. 452, SA und andere NSDAP-Gliederungen, Programm einer Werbeveranstaltung.
[11] Benedikt Burkard u. a. (Hrsg.), Eine Stadt macht mit, S. 29.
[12] Helga Krohn, Ein „Gruß aus Frankfurts schönstem Stadtteil“ – Blick in die Frankfurter Stadtentwicklung, in: Ostend: Blick in ein jüdisches Viertel, Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main 2000, (S. 10-25), S. 22f.
[13] NSDAP-Broschüre: Eine Antwort auf die Greuel- und Boykotthetze der Juden im Ausland, hrsg. von Otto Fischer, Frankfurt am Main 1934, Privatbesitz, S. 176.
[14] ISG FFM Zsf 268 Fft Volksblatt 1938 Juli-Dez., Frankfurter Volksblatt , vgl. etwa Frankfurter Volksblatt vom 10. November 1938, S. 1.
[15] NSDAP-Broschüre: Eine Antwort, S. 4.
[16] NSDAP-Broschüre: Eine Antwort auf die Greuel- und Boykotthetze der Juden im Ausland, 2. Auflage, hrsg. von Otto Fischer, Frankfurt am Main 1935, Der zweiten Auflage zum Geleit!, in: Die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Frankfurt/M durch die Veröffentlichung von Namen und Adressen in einer Broschüre der NSDAP 1935, Eine Dokumentation, hrsg. von der AG gegen den Antisemitismus/Holbeinschule Frankfurt/M, Frankfurt am Main [1993].
[17] Die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Frankfurt/M durch die Veröffentlichung von Namen und Adressen in einer Broschüre der NSDAP 1935, Vorbemerkung von Benjamin Ortmeyer.
[18] Petra Bonavita (Hrsg.), Assimilation, Verfolgung, Exil am Beispiel der jüdischen Schüler des Kaiser-Friedrichs-Gymnasiums (heute Heinrich-von-Gagern-Gymnasium) Frankfurt am Main, Stuttgart 2002, S. 21.
[19] Berichte gegen Vergessen und Verdrängen von 100 überlebenden jüdischen Schülerinnen und Schülern über die NS-Zeit in Frankfurt am Main, hrsg. von Benjamin Ortmeyer, 4. Aufl., Frankfurt am Main 2016, S. 28.
[20] Ebd., S. 54.
[21] Heinrich-von-Gagern-Gymnasium, Schulgeschichte: Vom Kaiser-Friedrich-Gymnasium zum Heinrich-von-Gagern-Gymnasium von Matteo Cornelli am 18.08.2023, https://hvgg.de/2023/08/schulgeschichte/ (aufgerufen am 12.3.2025).
[22] Petra Bonavita (Hrsg.), Assimilation, Verfolgung, Exil, S. 21.
[23] Max Mayer, „Dies waren gute deutsche Bürger“, Interview mit Max Mayer, in: Erinnerung braucht Zukunft, Der Ort der zerstörten Synagoge an der Friedberger Anlage in Frankfurt am Main, hrsg. von der Initiative 9. November, Frankfurt am Main 2010, (S. 56-74), S. 63.
[24]Yehuda Ariel, „Es ist kein Gesindel gewesen, das die Synagoge abgebrannt hat“, Interview mit Yehuda Ariel, in: Erinnerung braucht Zukunft, Der Ort der zerstörten Synagoge an der Friedberger Anlage in Frankfurt am Main, hrsg. von der Initiative 9. November, Frankfurt am Main 2010, (S. 79-83), S. 81.
[25] ISG FFM Best. S3 Nr. 23367, Gau Hessen-Nassau des N.S.-Lehrerbundes, Mitglieder-Verzeichnis, Nach dem Stand vom April 1934, S. 114.
[26] ISG FFM Best. A.40.01 Nr. 3816, Chronik des Kaiser Friedrich-Gymnasiums von Oberstudiendirektor Dr. Heinrich Weinstock.
[27] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bl. 17, Schreiben von [F]ranz Müller an Herrn Dr. Fritz Krebs vom 29.5.1938.
[28] Salomon Korn, Synagoge Friedberger Anlage (29. August 1907 – 9. November 1938), in: Ostend – Blick in ein jüdisches Viertel, Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main 2000, (S. 48-57), S. 52ff.
[29] Esther Clifford, „Polen-Aktion“ und Novemberpogrom, in: … daß wir nicht erwünscht waren, Novemberpogrom 1938 in Frankfurt am Main, Berichte und Dokumente, hrsg. von Gottfried Kößler u. a., Frankfurt am Main 1993, (S. 108-112), S. 108f.
[30] Frankfurt 1933-1945, Topographie, Plan von 1943, Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Stand 2026, https://www.frankfurt1933-1945.de/topografie/plan-von-1943 (aufgerufen am 21.1.2026). In diesem interaktiv aufbereiteten Stadtplan von 1943 findet man unter den Themen NS System und Alltag sowie Jüdisches Leben und Judenverfolgung die Ortsgruppen Sandweg und Ostend, das Keglersporthaus, das Zoogesellschaftshaus, die Synagoge Friedberger Anlage, jüdische Einrichtungen sowie die Rabbinerwohnung in der Fichtestraße 5. Daneben kann man die hier erwähnten Wohnanschriften der Betroffenen ausfindig machen und erhält so ein Bild von der räumliche Nähe von Tätern und Opfern.
[31] Lebendiges Museum Online (Lemo), NS-Regime, Ausgrenzung und Verfolgung, Novemberpogrome 1938, verfasst von Oliver Schweinoch, Deutsches Historisches Museum, Berlin 9. November 2021,
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/ausgrenzung-und-verfolgung/novemberpogrom-1938.html (aufgerufen am 9.2.2025).
[32] ISG FFM MF 15 General-Anzeiger der Stadt Frankfurt am Main, Dienstag, 8. November 1938, S. 6.
[33] Dieter Schiefelbein, „Reichskristallnacht“ in Frankfurt am Main, Eine Skizze, in: Pogromnacht und Holocaust: Frankfurt, Weimar, Buchenwald, Die schwierige Erinnerung an die Stationen der Vernichtung, hrsg. von Thomas Hofmann u. a., Weimar, Köln, Wien 1994, (S. 32-57), S. 44f.
[34] Lebendiges Museum Online (Lemo), NS-Regime, Ausgrenzung und Verfolgung, Novemberpogrome 1938
(aufgerufen am 9.2.2025).
[35] ISG FFM MF 15 General-Anzeiger der Stadt Frankfurt am Main, Dienstag, 8. November 1938, S. 6.
[36] Auskunft von Herrn Dr. h. c. Ernst Gerhardt; Zeitzeugeninterview mit dem ehemaligen Stadtkämmerer der Stadt Frankfurt am Main Dr. h. c. Ernst Gerhardt, geführt am 15.5.2025 von der Verfasserin.
[37] Alice Oppenheimer, Wenige Tage aus meinem Leben, Geschrieben zwischen Juni 1963 bis 1965, in: … daß wir nicht erwünscht waren, Novemberpogrom 1938 in Frankfurt am Main, Berichte und Dokumente, hrsg. von Gottfried Kößler u. a., Frankfurt am Main 1993, (S. 47-81), S. 56.
[38] Schiefelbein, S. 45ff.
[39] … daß wir nicht erwünscht waren, S. 12f.
[40] Schiefelbein, S. 47; vgl. auch … daß wir nicht erwünscht waren, S. 13.
[41] Christine Herrmann, „Kinder, steht alle auf, die zünden die Synagoge an!“, Interview mit Christine Herrmann, in: Erinnerung braucht Zukunft, Der Ort der zerstörten Synagoge an der Friedberger Anlage in Frankfurt am Main, hrsg. von der Initiative 9. November, Frankfurt am Main 2010, ( S. 117-125), S. 117f.
[42] Ebd., S. 121f.
[43] Ebd., S. 117f.
[44] Presseerklärung des Nationalsozialistischen Gaudienstes Hessen-Nassau vom 11. November 1938, abgedruckt in: „Die Synagogen brennen …!“ Die Zerstörung Frankfurts als jüdische Lebenswelt, Ausstellungskatalog, bearb. von Jürgen Steen, Frankfurt am Main 1988, S. 151.
[45] Inge Heß, „Ich habe mich so sehr geschämt, dass ich Deutsche bin“, Interview mit Inge Heß, in: Erinnerung braucht Zukunft, Der Ort der zerstörten Synagoge an der Friedberger Anlage in Frankfurt am Main, hrsg. von der Initiative 9. November, Frankfurt am Main 2010, (S. 95-102), S. 98.
[46] Max Mayer, „Dies waren gute deutsche Bürger“, in: Erinnerung braucht Zukunft, (S. 56-74), S. 67.
[47] Walter Rost, „Unser Blumengeschäft ging gut durch die Judenkundschaft“, Interview mit Walter Rost, in: Erinnerung braucht Zukunft, Der Ort der zerstörten Synagoge an der Friedberger Anlage in Frankfurt am Main, hrsg. von der Initiative 9. November, Frankfurt am Main 2010, (S.103-108), S. 104.
[48] Alice Oppenheimer, Wenige Tage aus meinem Leben, in: „… daß wir nicht erwünscht waren, (S. 47-81). S. 56.
[49] Jürgen Steen (Bearb.), „Die Synagogen brennen …!“, S. 141.
[50] Alice Oppenheimer, Wenige Tage aus meinem Leben, in: „… daß wir nicht erwünscht waren, (S. 47-81). S. 56f.
[51] Ebd., S. 58.
[52] ISG FFM Best. A. 37 Nr. 104, Dienstordnung für die Feuerlöschpolizei der Stadt Frankfurt am Main vom 1. April 1937, S.1.
[53] Christine Herrmann, „Kinder, steht alle auf, die zünden die Synagoge an!“, in: Erinnerung braucht Zukunft, ( S. 117-125), S. 117f.
[54] Herbert N. Kruskal, Bericht von Herbert N. Kruskal über das Novemberpogrom 1938 in Frankfurt/Main, Geschrieben 1961, in: Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933-1945, hrsg. von der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden, Frankfurt am Main 1963, (S. 28-32), S. 29f.
[55] Yehuda Ariel, „Es ist kein Gesindel gewesen, das die Synagoge abgebrannt hat“, in: Erinnerung braucht Zukunft, (S. 79-83), S. 82.
[56] Benjamin Hirsch, Die Zerstörung der Synagoge in der Friedberger Anlage, in: Erinnerung braucht Zukunft, Der Ort der zerstörten Synagoge an der Friedberger Anlage in Frankfurt am Main, hrsg. von der Initiative 9. November, Frankfurt am Main 2010, (S.114-116), S. 114.
[57] Ebd., S. 115.
[58]Fernschreiben von Reinhard Heydrich zur Reichspogromnacht vom 10.11.1938, NS-Archiv, Dokumente zum Nationalsozialismus, Jürgen Langowski 2026; https://www.ns-archiv.de/verfolgung/pogrom/heydrich.php, S. 1f. (aufgerufen am 4.1.2026).
[59] Benedikt Burkard u. a. (Hrsg.), Eine Stadt macht mit, Biografien, S. 271.
[60] Benjamin Hirsch, Die Zerstörung der Synagoge in der Friedberger Anlage, in: Erinnerung braucht Zukunft, (S. 114-116), S. 114f.
[61] Max Mayer, „Dies waren gute deutsche Bürger“, in: Erinnerung braucht Zukunft, (S. 56-74), S. 57.
[62] Ebd., S. 65.
[63] ISG FFM Best. A. 37 Nr. 124, Feuerbericht vom 11.11.1938, Brandstelle: Synagoge Friedberger-Anlage 5-6 vom 10. November 1938.
[64] Bernard Natt, Returning from Auschwitz, Zwei Briefe, ein Telegramm, in: … daß wir nicht erwünscht waren, Novemberpogrom 1938 in Frankfurt am Main, Berichte und Dokumente, hrsg. von Gottfried Kößler u. a., Frankfurt am Main 1993, (S. 148-157), S. 151.
[65] Bericht von Herbert N. Kruskal über das Novemberpogrom1938 in Frankfurt/M., in: Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933-1945, (S. 28-32), S. 29.
[66] Christine Herrmann, „Kinder, steht alle auf, die zünden die Synagoge an!“, in: Erinnerung braucht Zukunft, (S. 117-125), S. 120f.
[67] Ebd., S. 120.
[68] Alice Oppenheimer, Wenige Tage aus meinem Leben, in: … daß wir nicht erwünscht waren, (S. 47-81) S. 57.
[69] Ebd., S. 58f. In der NSDAP-Broschüre wurde Hugo Bondi mit der Adresse Palmstraße 7 und dem Vermerk „Metalle“ erfasst. Im „Gewerbe-Verzeichnis“ findet man ihn unter „Handel“ – „Organische und anorganische Rohprodukte“, worunter „Kohle, Metalle, Industriebedarf etc.“ fallen (NSDAP-Broschüre: Eine Antwort, S. 15 und S. 119).
[70] Bericht von Herbert N. Kruskal über das Novemberpogrom 1938 in Frankfurt/M., in: Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933-1945, (S. 28-32), S. 29.
[71] Bondi, Hugo Jonas (Mainz, Frankfurt am Main), Correspondence 1928, 1933, 1938, Box 2, Folder 33, Germany (Vilna Archives) Collection RG 31, YIVO Institute for Jewish Research, Center for Jewish History, New York City;
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE259264 (aufgerufen am 5.1.2026).
[72] Transport XII/3: Deportation von Frankfurt /Main nach Theresienstadt,15.9.1942, 1.2.1.1/8229703/ITS Digital Archive, Arolsen Archives;
https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/11200301?s=Franziska%20Bondi&t=229793&p=0 (aufgerufen am 29.1.2025). In einem Begleitschreiben der Staatspolizeistelle Frankfurt/Main an den Polizeipräsidenten zu diesem Transport wurde als Betreff „Wohnsitzverlegung von Juden nach Theresienstadt“ angegeben und damit die Deportation und Ermordung der Juden menschenverachtend beschönigt. (Schreiben der Geheimen Staatspolizei, Staatspolizeistelle in Frankfurt a. M. an den Herrn Polizeipräsidenten Frankfurt/Main vom 23.9.1942, 1.2.1.1/8229703/ITS Digital Archive, Arolsen Archives; https://collections.arolsen-archives.org/de/archive/1-2-1-1_8229703 (aufgerufen am 29.1.2025). Adolf Diamant gibt die Größe dieses Transports mit 1378 Personen an. (Adolf Diamant, Deportationsbuch der von Frankfurt am Main aus gewaltsam verschickten Juden in den Jahren 1941 bis 1944, Frankfurt am Main 1984, Vorwort).
[73] Adolf Diamant, Deportationsbuch, S. 15. Bondis Tod am 5. April 1943 belegt eine Karteikarte aus Theresienstadt mit Stempel des Krematoriums. (Kartei Theresienstadt, Podle listiny XII/3-XII/8 Frankfurt a. M., 1.1.42.2/11422001 031/ ITS Digital Archive, Arolsen Archives; https://collections.arolsen-archives.org/de/search?s=Hugo%20Bondi
(aufgerufen am 31.1.2025).
[74] Kartei Theresienstadt, Ustredni Kartoteka – Transporty, Bondi, Franziska, 1.1.42.2/11422001 031//ITS Digital Archive, Arolsen Archives; https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/5023067?s=Bondi,%20Frankziska&t=2546953&p=0 (aufgerufen am 30.1.2025).
[75] Adolf Diamant, Deportationsbuch, S. 15.
[76] Alice Oppenheimer, Wenige Tage aus meinem Leben, in: … daß wir nicht erwünscht waren, (S. 47-81), S. 59f.
[77] Shoah Memorial Frankfurt, hrsg. vom Jüdischen Museum Frankfurt, Shoah in Frankfurt, 2021/2022; https://www.shoah-memorial-frankfurt.de/shoah-in-frankfurt (aufgerufen am 5.10.2025).
[78] Alice Oppenheimer, Wenige Tage aus meinem Leben, in: … daß wir nicht erwünscht waren, (S. 47-81), S. 78f.
[79] Fallbezogene Akte des ITS , DE ITS 2.1.1.1 HE013JÜD ZM 62; https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/70362748?s=Siegfried%20Oppenheimer%20Frankfurt&t=2727991&p=0 (aufgerufen am 30.1.2025).
[80] Julius Meyer, November 1938 in Frankfurt/M und Vorfälle in der Festhalle. Geschrieben 1940, in: Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933-1945, hrsg. von der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden , Frankfurt am Main 1963, (S. 32-44), S. 33.
[81] Alice Oppenheimer, Wenige Tage aus meinem Leben, in: … daß wir nicht erwünscht waren, (S. 47-81), S. 62f.
[82] tramfan-ffm, Nahverkehr Frankfurt damals, Strecken- und Liniendokumentation, Liniennetz Frankfurt, Stand 1938, verantwortlich Bernd Rodmann Frankfurt am Main 2014, https://www.tramfan-ffm.de/netzplaene/Netz1938.png (aufgerufen am 26.2.2024).
[83] Avraham Avisar (Alfred Revisorski), „Ich habe dagegengehalten“, in: … daß wir nicht erwünscht waren, Novemberpogrom 1938 in Frankfurt am Main, Berichte und Dokumente, hrsg. von Gottfried Kößler u. a., Frankfurt am Main 1993, (S. 101-107), S. 102.
[84] Alice Oppenheimer, Wenige Tage aus meinem Leben, in: … daß wir nicht erwünscht waren, (S. 47-81), S. 58.
[85] Ebd., S. 60f.
[86] Max Oppenheimer, Die Generalprobe, Die organisierte Spontaneität, in: Max Oppenheimer, Horst Stuckmann, Rudi Schneider, Als die Synagogen brannten, Zur Funktion des Antisemitismus gestern und heute, Frankfurt am Main 1978, (S. 37-46). S. 37.
[87] Benjamin Hirsch, Die Zerstörung der Synagoge in der Friedberger Anlage, in: Erinnerung braucht Zukunft, (S. 114-116), S. 114f.
[88] Max Oppenheimer, Die Generalprobe, S. 37.
[89] Alice Oppenheimer, Wenige Tage aus meinem Leben, in: … daß wir nicht erwünscht waren, (S. 47-81), S. 64f.
[90] Bernard Natt, Returning from Auschwitz, in: … daß wir nicht erwünscht waren, (S.148-157), S. 151.
[91] Berichte gegen Vergessen und Verdrängen, S. 118.
[92] ISG FFM Zsf 268 Fft Volksblatt 1938 Juli-Dez., Frankfurter Volksblatt vom 10. November 1938, S. 1.
[93] Ebd., Impressum, S. 2.
[94] Ebd., S.1.
[95] Alice Oppenheimer, Wenige Tage aus meinem Leben, in: … daß wir nicht erwünscht waren, (S. 47-81), S. 66.
[96] Dagi Knellessen, Novemberpogrome 1938 „Was unfassbar schien, ist Wirklichkeit“, (= Pädagogische Materialien Nr. 03), hrsg. vom Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums, Frankfurt am Main 2015, S. 69.
[97] Peter Longerich, Novemberpogrome 1938 (publiziert am 04.09.2025), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/novemberpogrome-1938-602 (aufgerufen am 9.10.2025).
[98] ISG FFM MF 15 General-Anzeiger der Stadt Frankfurt am Main Freitag, 11. November 1938, S. 1.
[99] Alice Oppenheimer, Wenige Tage aus meinem Leben, in: … daß wir nicht erwünscht waren, (S. 47-81), S. 67.
[100] Inge Heß, „Ich habe mich so sehr geschämt, dass ich Deutsche bin“, in: Erinnerung braucht Zukunft, (S. 95-102),
S. 95
[101] Rose Teichert, „Sprechen Sie nicht mit mir – wenn das jemand sieht!“, Interview mit Rose Teichert, in: Erinnerung braucht Zukunft, Der Ort der zerstörten Synagoge an der Friedberger Anlage in Frankfurt am Main, hrsg. von der Initiative 9. November, Frankfurt am Main 2010, ( S. 109-113), S.111.
[102] ISG FFM Best. A. 37 Nr. 124, Feuerbericht vom 11. 11.1938, Brandstelle: Synagoge Friedberger-Anlag[e] 5-6 vom 11. November 1938.
[103] Bernard Natt, Returning from Auschwitz, in: … daß wir nicht erwünscht waren, (S.148-157), S. 151.
[104] ISG FFM Best. A. 37 Nr. 124, Auszug aus den Niederschriften über die Besprechungen bei dem Herrn Oberbürgermeister, Frankfurt a. M., den 12. Nov.1938.
[105] Bericht von Herbert N. Kruskal über das Novemberpogrom1938 in Frankfurt/M., in: Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933-1945, (S. 28-32), S. 31.
[106] Presseerklärung des Nationalsozialistischen Gaudienstes Hessen-Nassau vom 11. November 1938, S. 151; vgl. auch ISG FFM MF 17 Frankfurter Zeitung /Stadt-Blatt Freitag, 11. November, 1938, Artikel „Die Kundgebungen des 10. November“.
[107] Ebd.
[108] ISG FFM MF 15 General-Anzeiger der Stadt Frankfurt am Main Freitag, 11. November 1938, S. 1.
[109] Presseerklärung des Nationalsozialistischen Gaudienstes Hessen-Nassau vom 11. November 1938, S. 151; vgl. auch ISG FFM MF 17 Frankfurter Zeitung /Stadt-Blatt Freitag, 11. November, 1938, Artikel „Die Kundgebungen des 10. November“.
[110] Alice Oppenheimer, Wenige Tage aus meinem Leben, in: … daß wir nicht erwünscht waren, (S. 47-81), S. 74f.
[111] Bericht von Herbert N. Kruskal über das Novemberpogrom 1938 in Frankfurt/Main, , in: Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933-1945, (S. 28-32), S. 31.
[112] ISG FFM Best. A. 37 Nr. 124, Feuerbericht vom 11.11.1938, Brandstelle: Friedberger-Anlage 4-5 (sic!) (Synagoge) vom 11. November 1938.
[113] Novemberpogrom 1938, Die Augenzeugenberichte der Wiener Library, London, hrsg. von Ben Barkow u. a., Frankfurt am Main 2008, S. 386f.
[114] ISG FFM Best. A. 37 Nr. 124, Feuerbericht vom 13.11.1938, Brandstelle, Synagoge Friedberger-Anlage 5/6 vom 12. November 1938.
[115] ISG FFM Best. A. 37 Nr. 124, Feuerbericht vom 13.11.1938, Brandstelle, Synagoge Friedberger -Anlage 5/6 vom 13. November 1938.
[116] Novemberpogrom 1938, Die Augenzeugenberichte der Wiener Library, S. 388f.
[117] ISG FFM Best. A 37 Nr. 262 Ausrückeordnung mit Änderung vom 3.3.1938 vom 7.11.35, S. 1.
[118] ISG FFM Best. A 37 Nr. 104 Dienstanweisung für die Behandlung von Feuer- u. Hilfeleistungsberichten vom 7. Dezember 1936, S. 1.
[119] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bl. 19, Protokoll der Baupolizei über die Besprechungen bei dem Oberbürgermeister am 11.11.1938.
[120] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bl. 21, Auszugsweise Abschrift aus der Niederschrift über die Besprechung von Herrn Stadtrat Dr. Müller mit Herrn Oberbürgermeister am 14. November 1938.
[121] Bericht aus Frankfurt/Main. Aus einem Brief, Amsterdam, den 24.11.1938, in: Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933-1945, hrsg. von der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden, Frankfurt am Main 1963, S. 45.
[122] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bl. 25, Auszugsweise Abschrift aus der Niederschrift über die Besprechung von Herrn Stadtrat Dr. Müller mit Herrn Oberbürgermeister am 18.11.1938.
[123] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bl. 23, Abschrift des Vermerks von Oberbaurat Fischer vom 21.11.38.
[124] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bl. 105, Herrn Hauptverwaltungsdirektor Emrich vorzulegen, Schreiben vom 22. Juli 1939.
[125] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bl. 31, Meldung des Hochbauamtes vom 20. Dezember 1938.
[126] ISG FFM Best. A. 02.01 Nr. 5800, Bl. 33, II. Meldung des Hochbauamtes vom 23.12.38.
[127] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bl. 35, III. Meldung des Hochbauamtes vom 31. Dezember 1938.
[128] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bl. 37, IV. Meldung des Hochbauamtes vom 7. Januar 1939.
[129] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bll. 39, 41, 43, 45, 47, 49, V. bis X. Meldung des Hochbauamtes vom 13. Januar 1939, 24. Januar 1939, 30. Januar 1939, 4. Februar 1939, 11. Februar 1939, 20. Februar 1939.
[130] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bl. 51, XI. Meldung des Hochbauamtes vom 1. März 1939.
[131] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bll. 53, 55, 57, 59, 61, XII. bis XVI. Meldung des Hochbauamtes vom 3. März 1939, 13. März 1939, 20. März 1939, 25. März 1939, 1. April 1939.
[132] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bl. 63, XVII. Meldung des Bauamtes vom 12. April 1939.
[133] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bll. 65, 67, 69, 71, 73, 91, 93, 95 , XVIII. bis XXV. Meldung des Bauamtes vom 15. April 1939, 24. April 1939, 3.5.1939, 8.5.1939, 15. Mai 1939, 23. Mai 1939, 31. Mai 1939, 5. Juni 1939.
[134] ISG FFM Best. A. 02.01 Nr. 5800, Bl. 97, XXVI. Meldung des Bauamtes vom 12. Juni 1939.
[135] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 5800, Bl. 101, XXVII. (letzte) Meldung des Bauamtes vom 20. Juni 39.
[136] Christine Herrmann, „Kinder, steht alle auf, die zünden die Synagoge an!“, in: Erinnerung braucht Zukunft, ( S. 117-125), S. 120.
[137] Yehuda Ariel, „Es ist kein Gesindel gewesen, das die Synagoge abgebrannt hat“, in: Erinnerung braucht Zukunft, (S. 79-83), S. 82.
[138]ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 9392, Vorlage des Oberbürgermeisters an die Gemeinderäte über den Erwerb von Liegenschaften und Begräbnisplätzen der Jüdischen Gemeinde, 30. März 1939.
[139] ISG FFM Best. A.02.01 Nr. 9392, Anlage 1 zum Grundstücks- Kauf- und Uebereignungsvertrag vom [3. April 1939].
[140] ISG FFM Best. A.62.02 Nr. 293, Grundstückskaufvertrag vom 6. Dezember 1938, Beglaubigte Abschrift an den Regierungspräsidenten Wiesbaden.
[141] Alice Oppenheimer, Wenige Tage aus meinem Leben, in: … daß wir nicht erwünscht waren, (S. 47-81), S. 79.
[142] ISG FFM Best. A.62.02 Nr. 293, Grundstückskaufvertrag vom 6. Dezember 1938, Beglaubigte Abschrift an den Regierungspräsidenten Wiesbaden, S. 1.
[143] ISG FFM Best. A.62.02 Nr. 293 Formular („Veräußerung jüdischen Vermögens“) der NSDAP Gau Hessen-Nassau Kreiswirtschaftsberater vom 15. Dezember 1938.
[144] ISG FFM Best. A.62.02 Nr. 293, Grundstückskaufvertrag vom 6. Dezember 1938, Beglaubigte Abschrift an den Regierungspräsidenten Wiesbaden, S. 1f.
[145] ISG FFM Best. A.62.02 Nr. 293, Schreiben der NSDAP Kreis Gross-Frankfurt a. M. Der Kreiswirtschaftsberater an die NSDAP Ortsgruppe Sandweg vom 28. April 1939.
[146]ISG FFM Best, A.62.02 Nr. 293, Schreiben der NSDAP Ortsgruppe Sandweg an die NSDAP Kreis Gross Frankfurt Kreiswirtschaftsberater vom 2. Mai 1939.
[147] ISG FFM Best. A.62.02 Nr. 293, Schreiben von Marie Elisabeth Merget an die Stadt Frankfurt/Main vom 17. März 1939.
[148] Alice Oppenheimer, Wenige Tage aus meinem Leben, in: … daß wir nicht erwünscht waren, (S. 47-81), S. 55.
[149] ISG FFM Best. A.62.02 Nr. 1425, Feststellung über die zu erzielende Miete vom 29. März 1939.
[150] ISG FFM Best. A.62.02 Nr. 1425, Mitteilung an das Bauamt vom 27. März 1939.
[151] ISG FFM Best. A.62.02 Nr. 1425, Feststellung über die zu erzielende Miete vom 29. März 1939.
[152] ISG FFM Best. A.62.02 Nr. 1425, Schreiben an Frau Berta Widmaier Wtwe. vom 14. August 1939.
[153] ISG FFM Best. A.32.02 Nr. 3043 Wirtschaftserlaubnis „Saarland-Café“, Karteikarte vom 20.11.1941.
